Richtlinie des BMF vom 19.10.2017, BMF-010311/0051-III/11/2017 gültig ab 19.10.2017

VB-0240, Arbeitsrichtlinie Biologische Landwirtschaft

2. Einfuhr aus Drittstaaten

2.1. Anwendungszeitpunkt

Die unter Abschnitt 1.2. angeführten Waren unterliegen den Einfuhrbeschränkungen in dem Zeitpunkt, in dem sie

a)in den zollrechtlich freien Verkehr übergeführt werden (siehe Abschnitt 2.2. Abs. 1);

b)im Rahmen eines Zolllagerverfahrens oder eines aktiven Veredelungsverkehrs einer oder mehreren der folgenden üblichen Behandlungen im Sinne von Artikel 220 UZK unterzogen werden und dabei wie folgt aufbereitet werden (siehe Abschnitt 2.2. Abs. 2):

  • Verpacken oder Umpacken oder
  • Etikettierung hinsichtlich der Form des Hinweises auf die biologische bzw. ökologische Produktion;

c)vor der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr in mehrere Partien aufgeteilt werden (siehe Abschnitt 2.3.).

2.2. Einfuhrbeschränkungen

(1) Gemäß Artikel 13 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1235/2008 dürfen die in Abschnitt 1.2. angeführten Waren, sofern sie als Erzeugnisse aus biologischer bzw. ökologischer Produktion gekennzeichnet sind oder entsprechend gekennzeichnet werden sollen, nur dann in den zollrechtlich freien Verkehr übergeführt werden, wenn

a)der betreffenden zuständigen Behörde des Mitgliedstaats (in Österreich ist das der grenztierärztliche Dienst am Flughafen Wien, Tel.: 01/7007-33484, Fax: 01/713 44 04 2346, E-Mail gta.wien@bmgf.gv.at) durch den Einführer vor der Anmeldung der Ware zum zollrechtlich freien Verkehr mit Hilfe des EDV-Systems für das Veterinärwesen (TRAde Control and Expert System - TRACES) eine Kontrollbescheinigung (Muster siehe Anlage 2) übermittelt wurde,

b)die Sendung vor der Anmeldung der Ware zum zollrechtlich freien Verkehr durch die betreffende zuständige Behörde des Mitgliedstaats geprüft und die Kontrollbescheinigung im Feld 20 von ihr mit einem Sichtvermerk versehen wurde und

c)die Nummer der Kontrollbescheinigung in der Anmeldung zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr angegeben ist (Dokumentenartcode bei e-zoll in Feld 44 der Zollanmeldung "C644").

Hinsichtlich von Sendungen, die vor der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr im Rahmen eines Nichterhebungsverfahrens in mehrere Partien aufgeteilt wurden und von einer Teilkontrollbescheinigung (Muster siehe Anlage 3) begleitet sind, siehe Abschnitt 2.3.

(2) Soll eine Sendung vor Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr im Rahmen eines Zolllagerverfahrens oder eines aktiven Veredelungsverkehrs den üblichen Behandlungen im Sinne von Artikel 220 UZK unterzogen werden und dabei

a)verpackt oder umgepackt oder

b)hinsichtlich der Form des Hinweises auf biologische Landwirtschaft bzw. ökologischen Landbau etikettiert werden,

so ist die Kontrollbescheinigung vom Einführer mit Hilfe von TRACES bereits vor Durchführung der ersten Aufbereitung der betreffenden zuständigen Behörde, welche die vorgeschriebenen Prüfungen durchzuführen hat, zu übermitteln. Dabei ist die Bezugsnummer der Zollanmeldung, unter der die Waren für das Zolllagerverfahren oder den aktiven Veredelungsverkehr angemeldet wurden, in Feld 19 der Kontrollbescheinigung anzugeben.

Nach der Aufbereitung ist die Kontrollbescheinigung vom Einführer vor der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr neuerlich mit Hilfe von TRACES der betreffenden zuständigen Behörde zu übermitteln. Diese hat die Maßnahmen gemäß Abs. 1 durchzuführen und die Kontrollbescheinigung danach im Feld 20 mit einem Sichtvermerk zu versehen. Die Kontrollbescheinigung ist sodann in der Zollanmeldung zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr anzugeben (Dokumentenartcode bei e-zoll in Feld 44 der Zollanmeldung "C644").

(3) Gemäß Artikel 13 der Verordnung (EG) Nr. 1235/2008 hat die Kontrollbescheinigung dem Muster in Anlage 2 zu entsprechen und die in Anlage 2 enthaltenen Anweisungen bzw. Erläuterungen für das Ausfüllen müssen eingehalten werden. Die Kontrollbescheinigung ist mit Hilfe von TRACES

  • von einer zuständigen Kontrollbehörde oder Kontrollstelle zu erstellen und
  • von der betreffenden zuständigen Behörde des Mitgliedstaats mit einem Sichtvermerk zu versehen.

Hinweis: Da die Sendungen gemäß Artikel 13 der Verordnung (EG) Nr. 1235/2008 durch die zuständige Behörde jenes Mitgliedstaats, in dem die Sendung in den zollrechtlich freien Verkehr überführt wird, zu prüfen sind, können in Österreich nur Kontrollbescheinigung vorgelegt werden, die mit einem Sichtvermerk des österreichischen grenztierärztlichen Dienstes versehen sind.

Bei einer Kontrolle im Rahmen der Zollabfertigung hat die durch die betreffende zuständige Behörde mit einem Sichtvermerk versehene Kontrollbescheinigung im Original vorzuliegen und gilt grundsätzlich für die betreffende Sendung. Beim Original der Kontrollbescheinigung handelt es sich um eine ausgedruckte und von Hand unterzeichnete Kopie der in TRACES ausgefüllten Bescheinigung oder alternativ um eine Kontrollbescheinigung, die mit einer elektronischen Signatur versehen wurde. Eine Kontrollbescheinigung, die mit dem Aufdruck bzw. Stempelaufdruck "KOPIE" versehen ist, stellt kein Original dar und darf daher nicht zur Zollabfertigung herangezogen werden. Die Anbringung einer zollamtlichen Bestätigung ist auf der Kontrollbescheinigung nicht vorgesehen; eine Abschreibung von Teilmengen ist nicht zulässig (siehe jedoch Abschnitt 2.3.).

Nach der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr hat der erste Empfänger auf der Kontrollbescheinigung die Annahme der Waren zu bestätigen.

(4) In Fällen höherer Gewalt oder außergewöhnlicher Umstände, in denen TRACES nicht funktioniert, insbesondere bei einer Störung des Systems oder bei Fehlen einer dauerhaften Verbindung, kann eine Kontrollbescheinigung ausgestellt und mit einem Sichtvermerk versehen werden, ohne TRACES zu verwenden. In so einem Fall ist die Kontrollbescheinigung in einer der Amtssprachen der Union zu erstellen und mit Ausnahme der Stempel und Unterschriften ausschließlich in Großbuchstaben oder ausschließlich in Maschinenschrift auszufüllen. Nicht beglaubigte Änderungen oder Streichungen machen eine Kontrollbescheinigung ungültig.

2.3. Teilsendungen

(1) Soll eine Sendung vor Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr im Rahmen eines Nichterhebungsverfahrens in mehrere Partien aufgeteilt werden, so hat die Einfuhrkontrolle gemäß Abschnitt 2.2. vor dieser Aufteilung zu erfolgen.

(2) Für jede der Partien, die sich aus der Aufteilung ergeben, hat der Einführer der betreffenden zuständigen Behörde über TRACES eine Teilkontrollbescheinigung (Muster siehe Anlage 3) zu übermitteln. Die Partie ist durch die betreffende zuständige Behörde des Mitgliedstaats, in dem die Partie in den zollrechtlich freien Verkehr in der Union überführt wird, zu prüfen und die Teilkontrollbescheinigung ist von dieser Behörde in Feld 13 mit einem Sichtvermerk zu versehen.

(3) Die Nummer der Teilkontrollbescheinigung ist in der Zollanmeldung zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr anzugeben (Dokumentenartcode bei e-zoll in Feld 44 der Zollanmeldung "C644"). Bei einer Kontrolle im Rahmen der Zollabfertigung hat die durch die betreffende zuständige Behörde mit einem Sichtvermerk versehene Teilkontrollbescheinigung im Original vorzuliegen und gilt grundsätzlich für die betreffende Sendung. Beim Original der Teilkontrollbescheinigung handelt es sich um eine ausgedruckte und von Hand unterzeichnete Kopie der in TRACES ausgefüllten Bescheinigung oder alternativ um eine Teilkontrollbescheinigung, die mit einer elektronischen Signatur versehen wurde. Eine Teilkontrollbescheinigung, die mit dem Aufdruck bzw. Stempelaufdruck "KOPIE" versehen ist, stellt kein Original dar und darf daher nicht zur Zollabfertigung herangezogen werden. Die Anbringung einer zollamtlichen Bestätigung ist auf der Teilkontrollbescheinigung nicht vorgesehen; eine Abschreibung von Teilmengen ist nicht zulässig.

Nach der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr hat der erste Empfänger auf der Teilkontrollbescheinigung die Annahme der Waren zu bestätigen.

2.4. Ausnahmen

(1) Eine Kontrollbescheinigung ist nicht erforderlich für:

a)Waren, die nicht dazu bestimmt sind, in den zollrechtlich freien Verkehr übergeführt zu werden;

b)Waren, die nicht in Verkehr gebracht werden sollen (zum Begriff Inverkehrbringen siehe VB-0200 Abschnitt 1.2.), also insbesondere Einfuhren zum persönlichen oder privaten Gebrauch (zB im Post- oder Reiseverkehr);

c)Waren, die (beispielsweise wegen einer fehlenden Kontrollbescheinigung) nicht den Anforderungen der Verordnung (EG) Nr. 1235/2008 entsprechen, sofern in der Kennzeichnung, der Werbung und den Begleitpapieren alle Hinweise auf biologische bzw. ökologische Erzeugungsmethoden entfernt werden;

d)biologische Erzeugnisse bzw. Erzeugnisse, die aus ökologischer Produktion gekennzeichnet sind oder entsprechend gekennzeichnet werden sollen und in der Schweiz oder in Liechtenstein ihren Ursprung haben oder sich dort bereits im freien Verkehr befinden.

(2) Sofern eine Ausnahmeregelung gemäß Abs. 1 Anwendung findet, ist bei e-zoll im Feld 44 der Zollanmeldung der Dokumentenartcode "Y929" anzugeben.

2.5. Zolltarif und Codierungen in e-zoll

(1) Die in diesem Abschnitt behandelten Beschränkungen sind im Zolltarif mit der Maßnahme "VB-0240: Biologische Landwirtschaft" (VuB-Code "0240") gekennzeichnet.

(2) Für die Codierung der in diesem Abschnitt behandelten Beschränkungen in e-zoll stehen folgende Dokumentenartencodes zur Verfügung:

Dokumentenarten

Dokumenten-artencode
(BESCH_ART_CODE)

Beschreibung
(KURZ_BESCHR)

Hinweise

C644

Kontrollbescheinigung für ökologische/biologische Erzeugnisse

siehe Abschnitt 2.2. und Abschnitt 2.3.

Y929

Nicht unter die Verordnung (EG) Nr. 834/2007 (ökologische/biologische Erzeugnisse) fallende Erzeugnisse

Codierung wenn es sich um Waren handelt, die nicht aus biologischer bzw. ökologischer Produktion stammen (siehe Abschnitt 1.2.) oder wenn Ausnahmen (siehe Abschnitt 2.4.) vorliegen; dieser Code darf nicht gemeinsam mit dem Code C644 verwendet werden

 

2.6. Bewilligungen zum Anschreibeverfahren

(1) Für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel aus biologischer bzw. ökologischer Produktion bestehen keine besonderen Voraussetzungen für Bewilligungen zum Anschreibeverfahren.

(2) Die Anschreibung der Waren in der Buchführung darf jedenfalls erst erfolgen, wenn das durch die betreffende zuständige Behörde mit einem Sichtvermerk versehene Original der Kontrollbescheinigung bzw. Teilkontrollbescheinigung vorliegt (siehe Abschnitt 2.2. bzw. Abschnitt 2.3.).