Suchbegriffe anzeigen Änderungen anzeigen
  • Abschnitt:
  • <
  • 1
  • /
  • ...
  • /
  • 9
  • /
  • 10
  • /
  • 11
  • /
  • ...
  • /
  • 62
  • >
Richtlinie des BMF vom 28.10.2010, BMF-010221/2522-IV/4/2010 gültig ab 28.10.2010

VPR 2010, Verrechnungspreisrichtlinien 2010

  • 1. Teil: Multinationale Konzernstrukturen
  • 1.2. Methodik der Verrechnungspreisermittlung
  • 1.2.1. Die OECD-Verrechnungspreismethoden

1.2.1.5. Gewinnteilungsmethode

39

Diese Methode beruht darauf, dass der aus einer bestimmten konzerninternen Geschäftsbeziehung zweier Konzerngesellschaften erzielte Gewinn zwischen den beiden Gesellschaften geteilt wird. Die Aufteilung wird nach dem durch Funktionsanalyse zu ermittelnden Beitragsgrad der beiden Gesellschaften zur Gewinnerzielung bestimmt.

40

Die Methode ist zulässig, wenn Transaktionen so eng miteinander zusammenhängen, dass sie entweder auch im Rahmen einer Personengesellschaft stattfinden könnten oder in Fällen, in denen keine Daten aus vergleichbaren Transaktionen mit oder zwischen Fremden als Vergleichsmaßstab zur Verfügung stehen. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn von beiden Partnern einer konzerninternen Geschäftsbeziehung einzigartige und hochwertige Wirtschaftsgüter (zB immaterieller Art) eingesetzt werden. Die Methode ist ungeeignet, wenn ein Partner der Geschäftsbeziehung lediglich Routineleistungen (zB Lohnfertigung oder Auftragsdienstleistungen) erbringt, da die Verrechnungspreise von Konzerngesellschaften mit Routinefunktionen im Allgemeinen zumindest durch die Wiederverkaufspreismethode, die Kostenaufschlagsmethode oder durch die Nettomargenmethode ermittelt werden können.

41

Die Gewinnteilung kann durch Aufteilung des geschäftsfallbezogenen Gesamtgewinnes ("Gesamtgewinnmethode") oder - nach Abgeltung der Routinefunktionen - durch Aufteilung des Restgewinnes ("Restgewinnmethode") erfolgen. Der für die Gewinnaufteilung herangezogene Aufteilungsschlüssel kann nach Maßgabe der jeweiligen Gegebenheiten auf den einschlägigen Kosten oder den eingesetzten Wirtschaftsgütern beruhen oder aus einer Schlüsselkombination bestehen.

Beispiel: (Hinweis auf den Annex zum revidierten Teil II OECD-VPG):

A und B sind grenzüberschreitend verbundene Unternehmen. Beide erzeugen gleiche Produkte und beide tragen jährlichen Entwicklungsaufwand, der immaterielle Werte schafft, die den beiden Unternehmen wechselseitig zu Gute kommen. A und B verkaufen ihre Produkte ausschließlich an Fremdabnehmer. Es sei angenommen, dass aus den Marktgegebenheiten für die bloße Produktherstellungsfunktion eine Grundrendite von 10% der Herstellungskosten abzuleiten ist und dass der Restgewinn nach der Restgewinnmethode im Verhältnis der Entwicklungskosten von A und B aufgeteilt werden soll. Der geschäftsfallbezogene und aufzuteilende Gesamtgewinn beträgt 85.

A

B

A + B

Umsatz

100

300

400

Herstellungskosten

- 60

- 170

- 230

Rohgewinn

40

130

170

Verwaltungs- und Vertriebskosten

- 5

- 10

- 15

Entwicklungskosten

- 30

- 40

- 70

Reingewinn

5

80

85

1. Ermittlung der Grundrendite

A

10% von 60

Grundrendite = 6

B

10% von 170

Grundrendite = 17

A + B

Grundrenditenanteil des Gesamtgewinnes

6 + 17 = 23

2. Aufteilung des Restgewinnes

Reingewinn von A + B

85,00

Davon als Grundrendite aufgeteilt

- 23,00

Aufzuteilender Restgewinn

62,00

 

 

Restgewinnanteil von A (62 * 30/70)

26,57

Restgewinnanteil von B (62 * 40/70)

35,43

3. Ergebnis der Gewinnteilungsmethode

Gesamtgewinnanteil A: 6 (Grundrendite) + 26,57 (Restgewinn)

32,57

Gesamtgewinnanteil B: 17 (Grundrendite) + 35,43 (Restgewinn)

52,43

Aufzuteilender Gesamtgewinn

85,00