Kommentierte EntscheidungBescheidbeschwerde – Einzel – Erkenntnis des BFG vom 24.07.2014, RV/7100529/2013

Tragung der Kreditzinsen einer anderen GmbH - keine betriebliche Veranlassung

Rechtssätze

Keine Rechtssätze vorhanden

Entscheidungstext

Hintere Zollamtsstraße 2b
1030 Wien
www.bfg.gv.at
DVR: 2108837

 

IM NAMEN DER REPUBLIK

 

Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Alexander Hajicek über die Beschwerden (vormals Berufungen) der A**** Ges.m.b.H., nnnn T****-Ort, V**** Straße 7, vertreten durch Plachetka & Partner SteuerberatungsgmbH, 2340 Mödling, Enzersdorfer Straße 7, gegen die Bescheide des Finanzamtes Neunkirchen Wr. Neustadt betreffend Körperschaftsteuer für die Jahre 2006 bis 2008, zu Recht erkannt:

 

Die Beschwerden werden als unbegründet abgewiesen.

Die angefochtenen Bescheide bleiben unverändert.

Die ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art 133 Abs 4 B-VG ist nicht zulässig.

Entscheidungsgründe

Beschwerdeführerin ist die A**** GmbH.

Mit den angefochtenen Körperschaftsteuerbescheiden für die Jahre 2006 bis 2008 verweigerte das Finanzamt die Berücksichtigung der von der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) getragenen Zinsen des Bankkontos der R**** B**** GmbH von EUR 20.114,48 (2006), EUR 26.440,45 (2007) und EUR 26.194,98 (2008) als Betriebsausgaben.

Verfahrensgang:

In Beantwortung eines telefonischen Vorhaltes übermittelte der steuerliche Vertreter der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) mit Schreiben vom 8.8.2008 dem Finanzamt je ein Schreiben der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und der R**** B**** GmbH an die Sparkasse_T**** (idF kurz: Bank) und erklärte, es handle sich dabei um die Vereinbarung der gegenseitigen Haftungsübernahmen der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und der R**** B**** GmbH bezüglich der Konten bei dieser Bank. Die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) sei als Subunternehmer für die R**** B**** GmbH tätig gewesesen. Letztere habe im Jänner 2006 Konkurs anmelden müssen. Danach sei die abgegebene Haftungserklärung der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) im Jahr 2006 wirksam geworden.

Das genannte Schreiben der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) an die Bank datiert vom 22.11.1996, darin wird ausgeführt (AS 9/2006):

Betr.: ERMÄCHTIGUNG

Sehr geehrter Herr […]!

Sie stehen mit der Firma R**** B****, Malerbetrieb, V**** Straße 7, nnnn T****-Ort in Geschäftsverbindung. Im Rahmen dieser Geschäftsverbindung haben Sie u.a. folgenden Betriebsmittelkredit eingeräumt:
- Konto Nr 0000-987654 ltd. auf R**** B****, Kreditzusage vom 24.5./15.6.1984 samt Nachträge über S 1 Mio revolvierend ausnützbar.
Wir ermächtigen Sie, ihre Forderungen aus der o.a. Geschäftsverbindung betr. Konto 0000-987654 zu Lasten unseres Konto Nr.: 0000-123456 abzudecken.“

In dem genannten (undatierten) Schreiben der R**** B**** GmbH an die Bank wird ausgeführt (AS 10/2006):

Unsere Geschäftsverbindung

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir stehen mit der Firma A**** Ges.m.b.H., V**** Straße 7, nnnn T.****-Ort in Geschäftsverbindung.

Wir ermächtigen Sie, Ihre Forderungen aus der o.a. Geschäftsverbindung betr. Konto Nr. 0000-123456 zu Lasten des Kontos Nr. 0000-987654 abzudecken.“

Mit einem weiteren telefonischen Vorhalt (Aktenvermerk AS 17/2006) ersuchte das Finanzamt um die Vorlage des Kreditvertrages und der Haftungsübernahme sowie um Erläuterungen zur Haftungsübernahme und fragte, wer das Kapital zurückzahlen werde. Die Aufwendungen könnten nur bei einer unmittelbaren betrieblichen Veranlassung anerkannt werden.

Der steuerliche Vertreter übermittelte daraufhin mit Schreiben vom 19.9.2008 eine Bestätigung der Bank vom 19.9.2008 „über die gegenseitigen Haftungsübernahmen“ der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und der R**** B**** GmbH. Diese Bestätigung lautet (AS 19/2006):

„Sehr geehrte Frau […]

zum Nachweis gegenüber dem Finanzamt bestätigen wir, dass wir aufgrund der wechselnden Auftragnehmer- und der Subunternehmereigenschaft der R**** B**** GmbH und der A**** GmbH, die gemeinsam umfangreiche Aufträge, insbesondere für die Firma U**** AG ausgeführt und wechselseitige Verpflichtungen gegenüber dem Auftraggeber zur Erbringung von Nachtragsarbeiten und Ausstellen von Haftbriefen übernommen haben, dafür die Abgabe einer wechselseitigen Haftungserklärung bzw. Umbuchungsermächtigung verlangt zu haben.
Aus unserer Sicht war eine eindeutige Zuordnung der Haftbriefe zu den Haftenden nicht mehr möglich. Es wurde daher am 22.11.1996 eine entsprechende Umbuchungsermächtigung seitens der Firma R**** B**** GmbH bzw. seitens der A**** GmbH erteilt.“

Einem Aktenvermerk über ein Telefonat mit dem steuerlichen Vertreter (AS 27/2006) ist zu entnehmen, dass nach einer Vereinbarung von R**** B**** mit der Bank die laufenden Kosten betreffend den Kredit an die „Firma B****“ von der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) bis 2008 zu tragen seien. Über das Schicksal des noch aushaftenden Kapitals herrsche noch Unklarheit, da die Firma B**** seit 2006 in Konkurs sei. Dem steuerlichen Vertreter sei seitens des Finanzamtes mitgeteilt worden, dass die bisher vorgelegten Unterlagen für die Abzugsfähigkeit der Zinsen der Firma B**** als Betriebsausgaben nicht ausreichend seien. Weitere Unterlagen würden nachgereicht werden.

Der steuerliche Vertreter übermittelte eine ergänzte Stellungnahme der Bank. Es sei dazu anzumerken, dass sich die gegenseitige Haftung der R**** B**** GmbH und der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) auf die Abdeckung der bei der Bank jeweils anfallenden laufenden Kosten bezogen habe, um den laufenden Geschäftsbetrieb nicht zu gefährden. Diese Stellungnahme vom 9.10.2008 lautet (AS 29/2006):

„Sehr geehrte Frau […]

zum Nachweis gegenüber dem Finanzamt bestätigen wir, dass wir aufgrund der wechselnden Auftragnehmer- und der Subunternehmereigenschaft der R**** B**** GmbH und der A**** GmbH, die gemeinsam umfangreiche Aufträge, insbesondere für die Firma U**** AG ausgeführt und wechselseitige Verpflichtungen gegenüber dem Auftraggeber zur Erbringung von Nachtragsarbeiten und Ausstellen von Haftbriefen übernommen haben, dafür die Angabe einer wechselseitigen Haftungserklärung bzw. Umbuchungsermächtigung verlangt zu haben.
Aus unserer Sicht war eine eindeutige Zuordnung der Haftbriefe zu den Haftenden nicht mehr möglich. Es wurde daher am 22.11.1996 eine entsprechende Umbuchungsermächtigung seitens der Firma R**** B**** GmbH bzw seitens der Firma A**** GmbH erteilt.

Im Hinblick auf das Auslaufen der Haftungen für Aufträge der Fa. U**** AG werden wir die Fa. A**** GmbH aus der Haftung für die anfallenden Zinsen entlassen, wenn diese bis 31.12.2008 entrichtet werden.“

In einem weiteren Telefonat mit dem steuerlichen Vertreter (Aktenvermerk AS 30/2006) wurde die Vorlage der Bankauszüge betreffend die „Firma B****“ (Zinsen für langfristige Kredite) in Aussicht gestellt. Das Kreditkonto 0000-123456 sei das Firmenkontokorrentkonto, der Anstieg von 0,00 EUR auf 42.000 EUR habe nichts mit den Zinsen der „Firma B****“ zu tun, die Zinsen würden von der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) tatsächlich bezahlt.

Der steuerliche Vertreter übermittelte sodann Kontoauszüge (AS 32 ff/2006), aus welchen eine Anlastung der strittigen Zinsen für das Konto 0000-987654 [der R**** B**** GmbH] auf dem Konto 0000-123456 [der A**** GmbH (Beschwerdeführerin)] ersichtlich ist.

In der Begründung der Körperschaftsteuerbescheide vertrat das Finanzamt die Ansicht, R**** B**** sei seit Gründung sowohl Geschäftsführer der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) als auch der R**** B**** GmbH (gewesen). Im Jahr 1996 seien gegenüber der Bank von beiden Firmen Erklärungen abgegeben worden, wonach die Geschäftskonten auszugleichen seien. Aus den dem Finanzamt vorgelegten Unterlagen sei eine vertragliche Verpflichtung zur Übernahme der Bankaufwendungen der R**** B**** GmbH nicht ersichtlich und sei eine solche Schuldübernahme für eine fremde Firma ohne Grund im Wirtschaftsleben auch nicht üblich. Die strittigen Aufwendungen seien daher nicht als  Betriebsausgaben zu berücksichtigen.

In den Berufungen wird vorgebracht, die streitgegenständlichen Aufwendungen seien Betriebsausgaben, da es sich um Zinsen für betriebsbedingt aufgenommene Schulden handle.
Maßgeblich für die abgabenrechtliche Beurteilung des Sachverhaltes sei gemäß § 21 Abs 1 BAO die wirtschaftliche Betrachtungsweise. Eine gegenseitige Haftungsübernahme von Firmen, die wechselseitig in Subunternehmereigenschaft für einander und gegenüber einem Generalunternehmer aufträten, sei nicht nur fremdüblich, sondern sogar durch gesetzliche Bestimmungen wie zB die Haftung des Generalunternehmers für den Subunternehmer für Abgaben und Steuern in anderen Bereichen determiniert. Eine Fremdunüblichkeit sei daher nicht erkennbar. Dass R**** B**** - neben anderen - bei beiden Firmen Geschäftsführer gewesen sei, sei kein ausreichendes Indiz für Fremdunüblichkeit. Die vertragliche Verpflichtung zur Übernahme der Haftung sei ausreichend durch die Vereinbarung vom 22.11.1996 und durch das Schreiben der Bank vom 9.10.2008 dokumentiert und nachgewiesen.
Ein weiters Indiz für die Fremdüblichkeit dieser Vereibarung ergebe sich aus deren Bestandteilen: Verträge zwischen Fremden enthielten Tilgungs-, Auflösungs- und Zahlungsvereinbarungen (VwGH 25.10.1994, 94/14/0067), in den Haftungsübereinkommen bzw -bestätigungen seien die Firmen, die Kontoverbindungen, der Tilgungsstand sowie die Auflösungsbestimmungen genannt (siehe Beilage).

Zusätzliche Unterlagen wurden mit den Berufungen allerdings nicht vorgelegt.

 

Über die Beschwerden wurde erwogen:

Gemäß § 323 Abs 38 BAO sind die am 31.12.2013 beim Unabhängigen Finanzsenat als Abgabenbehörde zweiter Instanz anhängigen Berufungen vom Bundesfinanzgericht als Beschwerden iSd Art 130 Abs 1 B-VG zu erledigen. Solche Verfahren betreffende Anbringen wirken mit 1.1.2014 auch gegenüber dem Bundesfinanzgericht.
Soweit in der Darstellung des Verfahrensganges von Berufungen die Rede war, sind diese als Beschwerden zu verstehen bzw werden diese in der Folge als solche bezeichnet.

 

Folgender Sachverhalt steht fest:

Gegenstand des Unternehmens der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) ist laut Gesellschaftsvertrag Maler- und Anstreicher, gleichartige und artverwandte Unternehmensgegenstände, die Übernahme von Geschäftsführungsagenden und die Beteiligung an gleichartigen und artverwandten Unternehmungen im In- und Ausland.

Geschäftsführer der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) ist seit Gründung im Jahr 1993 R**** B****. Neben diesem sind zwei weitere Personen, nämlich E**** F**** (seit 7.12.1994) und G**** H**** (seit 3.5.2000) im Firmenbuch als Geschäftsführer eingetragen.
R**** B**** war ursprünglich auch Gesellschafter der A**** GmbH (Beschwerdeführerin), allerdings trat er seinen Geschäftsanteil noch im Gründungsjahr ab.
Gesellschafter der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) (waren im Streitzeitraum und) sind C**** D**** (seit 1993), E**** F**** (seit Ende 1994) und G**** H**** (seit 2000).
E**** B**** war im Streitzeitraum bei der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) angestellt.

Die R**** B**** GmbH wurde mit Gesellschaftsvertrag vom Juli 1996 gegründet.
Alleiniger Geschäftsführer der R**** B**** GmbH war laut Firmenbuch stets R**** B****.
Gesellschafter der R**** B**** GmbH waren zunächst R**** B**** und L**** B****, ab 13.9.1997 war R**** B**** Alleingesellschafter.

Mit Einbringungsvertrag vom 10.9.1997 wurde das nicht protokollierte Einzelunternehmen R**** B**** mit dem Betriebsgegenstand „Maler und Anstreicher“ in die R**** B**** GmbH eingebracht.

Die Geschäftsanschrift der A**** GmbH (Beschwerdeführerin), der R**** B**** GmbH und des nicht protokollierten Einzelunternehmens R**** B**** mit dem Betriebsgegenstand „Maler und Anstreicher“ war bzw ist nnnn T****-Ort, V**** Straße 7.

Mit Beschluss des zuständigen Gerichtes vom 27.1.2006 wurde über die R**** B**** GmbH der Konkurs eröffnet.
Im Konkursedikt wird dazu festgestellt, dass das geschlossene Unternehmen geschlossen bleibt.

Der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) wurden in den Jahren 2006 bis 2008 von der Bank jeweils die Zinsen des Bankkontos der R**** B**** GmbH angelastet.

Die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) hatte im Jahr 1996 (Schreiben vom 22.11.1996) die Bank ermächtigt, ihre Forderungen aus der Kreditzusage gegenüber dem Einzelunternehmen (Malerbetrieb) R**** B**** „vom 24.5./15.6.1984 samt Nachträge über S 1 Mio revolvierend ausnützbar“ zu Lasten des Kontos der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) abzudecken.

Die R**** B**** GmbH ermächtigte die Bank zu einem nicht feststellbaren Zeitpunkt, ihre Forderungen aus der Geschäftsverbindung der Bank mit der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) zu Lasten ihres Kontos abzudecken.

Die näheren Umstände der Erteilung dieser beiden Ermächtigungen und die Gründe für deren Erteilung waren nicht feststellbar.

Die Gründe für die Anlastung der Zinsen des Bankkontos der R**** B**** GmbH zu Lasten des Kontos der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) waren nicht feststellbar.

Ob eine (schriftliche) Vereinbarung der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) mit der R**** B**** GmbH über eine „Haftungsübernahme“ vorlag, war nicht feststellbar.
Allfällige Tilgungs-, Auflösungs- und Zahlungsvereinbarungen waren nicht feststellbar.

 

Diese Feststellungen gründen sich auf die angeführten Unterlagen sowie auf folgende Beweiswürdigung:

Die Feststellungen über die Gesellschafter und Organe der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und der R**** B**** GmbH sowie über die Einbringung des Einzelunternehmens R**** B**** in die R**** B**** GmbH gründen sich auf das Firmenbuch.

Die Feststellungen iZm dem Konkurs der R**** B**** GmbH gründen sich auf das Konkursedikt vom 27.1.2006 (AS 12/2006).

Die Feststellungen, dass die streitgegenständlichen Zinsen durch die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) getragen wurden sowie, dass es sich um die Zinsen für das Konto der R**** B**** GmbH handelte gründen sich auf die mit Schreiben vom 17.10.2008 vorgelegten entsprechenden Kontoauszüge.

Die Feststellungen über die gegenüber der Bank erteilten Ermächtigungen gründen sich auf die von der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) vorgelegten Urkunden (AS 9 f/2006).

Die Feststellung, dass die Ermächtigung vom 22.11.1996 das Einzelunternehmen R**** B**** betraf gründet sich auf den Umstand, dass die R**** B**** GmbH im Schreiben vom 22.11.1996 nicht erwähnt wird und der angeführte Kredit auf einer dem R**** B**** im Jahr 1984 gemachten Kreditzusage beruht.
Die R**** B**** GmbH gab es im Jahr 1984 noch nicht, das Einzelunternehmen R**** B**** war im Zeitpunkt der Erteilung der Ermächtigung noch nicht in die R**** B**** GmbH eingebracht worden.

Die Feststellung, dass nicht feststellbar ist, ob eine (schriftliche) Vereinbarung der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) mit der R**** B**** GmbH betreffend eine „Haftungsübernahme“ vorlag sowie, ob Tilgungs-, Auflösungs- und Zahlungsvereinbarungen vorlagen gründet sich auf den Umstand, dass trotz mehrmaliger Aufforderung durch das Finanzamt keine entsprechenden Urkunden, sondern nur die genannten vier Schriftstücke (je ein Schreiben der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und der R**** B**** GmbH an die Bank sowie zwei Schreiben der Bank) vorgelegt wurden.

Ebenso konnten keine Feststellungen über die näheren Umstände der Erteilung dieser beiden Ermächtigungen, über die Gründe für deren Erteilung, über die Gründe für die Anlastung der Zinsen des Bankkontos der R**** B**** GmbH zu Lasten des Kontos der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und darüber, ob eine Vereinbarung der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) mit der R**** B**** GmbH über eine „Haftungsübernahme“ vorlag, getroffen werden, da keine entsprechenden Unterlagen vorgelegt wurden.

Die sehr allgemein gehaltene Bestätigung der Bank vermochte zu keinem anderen - für die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) günstigeren - Ergebnis zu führen. Denn wenn darin angegeben wird, die Bank habe die Haftbriefe zu den Haftenden nicht mehr eindeutig zuordnen können, ist dies im Hinblick auf die einer Bank obliegenden Sorgfaltsverpflichtungen wenig glaubwürdig.
Nähere Angaben über die Chronologie der behaupteten Ereignisse unterblieben, obwohl die Ermächtigung vom 22.11.1996 bereits zehn Jahre vor Zahlung der streitgegenständlichen Zinsen erteilt wurde und kaum vorstellbar ist, dass die in der Bestätigung der Bank angeführten Umstände so weit zurückreichten.
Die angeführten Umstände (U**** AG, Subunternehmereigenschaft, Haftbriefe, etc) wurden auch insgesamt nicht urkundlich nachgewiesen.
Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass diese Umstände in keiner Weise der Ermächtigung vom 22.11.1996 zu entnehmen sind, vielmehr ist in dieser – wie bereits wiederholt ausgeführt – von einer dem Einzelunternehmen R**** B**** im Jahr 1984 gewährten Kreditzusage die Rede.
Bei der vorgelegten Bestätigung der Bank handelt es sich daher offenbar um eine Gefälligkeitsbestätigung.

 

Rechtlich folgt daraus:

Der Körperschaftsteuer ist gemäß § 7 Abs 1 KStG das Einkommen zu Grunde zu legen, das der unbeschränkt Steuerpflichtige innerhalb eines Kalenderjahres bezogen hat.

Einkommen ist gemäß § 7 Abs 2 KStG der Gesamtbetrag der Einkünfte aus den in § 2 Abs 3 EStG aufgezählten Einkunftsarten […]. Wie das Einkommen zu ermitteln ist, bestimmt sich nach dem EStG […].

Betriebsausgaben sind gemäß § 4 Abs 4 EStG die Aufwendungen oder Ausgaben, die durch den Betrieb veranlasst sind.

Das Finanzamt hat die betriebliche Veranlassung der Tragung der Bankzinsen der R**** B**** GmbH durch die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) verneint.

Die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) trägt vor, eine gegenseitige Haftungsübernahme von Unternehmen, die wechselseitig in Subunternehmereigenschaft für einander und gegenüber einem Generalunternehmer aufträten, sei fremdüblich und in anderen Bereichen wie der Haftung des Generalunternehmers für Steuern und Abgaben der Subunternehmer sogar gesetzlich normiert. Die wirtschaftliche Betrachtungsweise sei maßgeblich. Der Umstand, dass R**** B**** bei der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und bei der R**** B**** GmbH Geschäftsführer (gewesen) sei, sei kein ausreichendes Indiz für eine Fremdunüblichkeit. Durch die vorgelegten Unterlagen sei die vertragliche Verpflichtung zur Übernahme der Haftung ausreichend dokumentiert und nachgewiesen. Darin würden die Firmen, die Kontoverbindungen, der Tilgungsstand sowie die Auflösungsbestimmungen genannt.

Dieses Vorbringen ist nicht geeignet, den Beschwerden zum Erfolg zu verhelfen.

Die Übernahme der Haftung für die betrieblichen Verbindlichkeiten eines anderen Steuerpflichtigen ist im Geschäftsleben ebenso unüblich wie die Zustimmung, Forderungen, die aus dem einem anderen Steuerpflichtigen eingeräumten Betriebsmittelkredit resultieren, zu Lasten des eigenen Kontos abzudecken. Eine derartige Übernahme fremder Verpflichtungen wird auch nicht durch ein wechselseitiges oder Dritten gegenüber bestehendes Subunternehmerverhältnis gerechtfertigt.

Eine allfällige steuerliche Anerkennung einer solchen Verpflichtungsübernahme würde jedoch jedenfalls das Vorliegen einer entsprechenden (schriftlichen) vertraglichen Vereinbarung, aus welcher ua der Tilgungsstand und die Auflösungsbestimmungen ersichtlich sind, erfordern.
Eine solche Vereinbarung liegt im Streitfall – entgegen dem Beschwerdevorbringen – allerdings gerade nicht vor.

 

Grundlage für die Tragung der Zinsen der R**** B**** GmbH sei laut Vorbringen die seitens der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) gegenüber der Bank am 22.11.1996 erteilte Ermächtigung gewesen.

Im Schreiben der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) vom 22.11.1996 sind allerdings weder eine wechselseitige Haftungsübernahme noch die U**** AG noch die Verpflichtung zur wechselseitigen Erbringung von Nachtragsarbeiten oder die Verpflichtung zur Ausstellung von Haftbriefen erwähnt.

Diese Ermächtigung bezieht sich vielmehr ausdrücklich auf den dem R**** B**** als Einzelunternehmer bereits im Jahr 1984 erteilten Betriebsmittelkredit. Gründe für die Erteilung dieser Ermächtigung bleiben in der Urkunde ungenannt.
Die „korrespondierende“ Ermächtigung der R**** B**** GmbH enthält zwar den Hinweis auf die Geschäftsbeziehung der Bank mit der A**** GmbH (Beschwerdeführerin), jedoch ebenfalls keinerlei nähere Angaben über die Gründe für die Erteilung der Ermächtigung.

Im Zeitpunkt der Erteilung der Ermächtigung war das Einzelunternehmen R**** B**** noch nicht in die R**** B**** GmbH eingebracht worden. Dies geschah erst rund ein Jahr danach.

Schuldner des betreffenden Kredites war demnach ursprünglich R**** B**** als Einzelunternehmer selbst.

Im Anschluss an die Eröffnung des Konkurses über das Vermögen der R**** B**** GmbH (Geschäftsführer und Alleingesellschafter: R**** B****) hat die A**** GmbH (Beschwerdeführerin), deren Geschäftsführer ebenfalls R**** B**** ist, die Zinsen des Bankkontos der R**** B**** GmbH übernommen.

Im Lichte dieser Umstände, insbesondere der Personenidentität, der ursprünglichen Veranlassung des Kredites durch R**** B**** als Einzelunternehmer sowie der fehlenden urkundlichen Nachweise lagen daher Zweifel an der betrieblichen Veranlassung der Übernahme der streitgegenständlichen Zinsen nahe.

Der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) ist es nicht gelungen, diese Zweifel zu zerstreuen.

Eine schriftliche Vereinbarung zwischen der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) und der R**** B**** GmbH über die behauptete „Haftungsübernahme“ bzw die Erteilung der wechselseitigen Ermächtigungen gegenüber der Bank wurde trotz ausdrücklicher Aufforderung nicht vorgelegt.

Vereinbarungen der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) oder der R**** B**** GmbH mit der U**** AG zur wechselseitigen Erbringung von Nachtragsarbeiten oder über die Verpflichtung zur Ausstellung von Haftbriefen wurden nicht urkundlich nachgewiesen, ebenso unterblieb eine Vorlage der genannten Haftbriefe.

Der Kreditvertrag, aufgrund dessen die strittigen Zinsen angefallen waren, wurde trotz ausdrücklicher Aufforderung nicht vorgelegt.

Nähere Angaben über den Inhalt der behaupteten Verpflichtungen wurden seitens der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) gänzlich unterlassen und finden sich auch nicht in der Bestätigung der Bank.

Die Gründe, die ursächlich zu dieser Verpflichtung geführt hatten, wurden nicht nachvollziehbar dargetan. Die Vereinbarungen der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) mit der R**** B**** GmbH blieben im Dunkeln. Die Haftungserklärungen wurden nicht vorgelegt.

Es erscheint ausgeschlossen, das fremd einander gegenüber stehende Unternehmen einer Bank die Ermächtigung erteilen würden, die Forderungen gegenüber dem fremden Unternehmen zu Lasten des eigenen Bankkontos abzudecken.

Die Übernahme dieser Verpflichtung erscheint daher ausschließlich durch die Geschäftsführeridentität in der Person des R**** B**** veranlasst. Dieser war persönlich Schuldner des dem Einzelunternehmen R**** B**** gewährten Kredites und zugleich Geschäftsführer der A**** GmbH (Beschwerdeführerin).

Betriebliche Motive der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) für die Übernahme der streitgegenständlichen Zinsen sind hingegen nicht zu erkennen.

Aus dem von der A**** GmbH (Beschwerdeführerin) angeführten Erkenntnis des VwGH vom 25.10.1994, 94/14/0067, ergeben sich keine für die A**** GmbH (Beschwerdeführerin) sprechenden Argumente, da die in diesem Erkenntnis genannten Tilgungs-, Auflösungs- und Zahlungsvereinbarungen im Streitfall gerade nicht festgestellt werden konnten.

Die behauptete betriebliche Veranlassung der streitgegenständlichen Zinszahlungen liegt daher nicht vor.

Die Beschwerden erweisen sich daher als unbegründet.

 

Zur Zulässigkeit der Revision:

Gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes ist gemäß Art 133 Abs 4 B-VG die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.

Bei der Streitfrage - ob eine betriebliche Veranlassung für die Zahlungen vorlag - handelt es sich lediglich um eine Tatfrage und damit nicht um eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung.

Die Revision ist daher nicht zulässig.

Die Beschwerden erweisen sich damit als unbegründet und waren daher gemäß § 279 Abs 1 BAO abzuweisen.

 

 

Wien, am 24. Juli 2014