Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 26.01.2006, RV/2028-W/04

Kosten für den Lehrgang zum Wirtschaftstrainer stellen für einen Krankenpfleger keine berufsspezifischen Fortbildungskosten dar

Rechtssätze

Stammrechtssätze

RV/2028-W/04-RS1 Permalink
Kosten für den Lehrgang zum Wirtschaftstrainer stellen für einen diplomierten Krankenpfleger keine als Werbungskosten anzuerkennenden Fortbildungsaufwendungen dar.

Zusatzinformationen

betroffene Normen:
Schlagworte:
Fortbildung

Entscheidungstext

Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des X, vom 24. März 2004 gegen den Bescheid des Finanzamtes Y vom 17. März 2004 betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2003 entschieden:

Der Berufung wird teilweise Folge gegeben.

Der Bescheid betreffend Einkommensteuer für das Jahr 2003 wird im Umfang der Berechnung der Berufungsvorentscheidung vom 29. Juli 2004 abgeändert.

Die Bemessungsgrundlagen und die Höhe der Abgabe sind der Berufungsvorentscheidung vom 29. Juli 2004 zu entnehmen und bilden einen Bestandteil dieses Bescheidspruches.

 

Entscheidungsgründe

Der Berufungswerber (Bw.) ist von Beruf diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger und bezieht Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit als stationsleitender Pfleger im AKH Wien.

Der Bw. hat im Rahmen seiner Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2003 Werbungskosten für Fortbildung in Höhe von € 2.078,- und für Reisekosten im Zusammenhang mit der Fortbildung in Höhe von € 3.673,51 geltend gemacht.

Ergänzend legte der Bw. die Unterlagen für den von ihm im Jahr 2003 zum Preis von € 2.078,- absolvierten Corporate Consult Lehrgang zum Wirtschaftstrainer in Graz im Zeitraum von 29. 4. 2003 bis 21. 12. 2003, beinhaltend 10 Wochenendeinheiten, organisiert von der DEON Personalentwicklung, sowie den Beleg über die Bezahlung derselben im April 2003 und eine Berechnung der Reisekosten, vor.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass der vom Bw. absolvierte Lehrgang ein solcher zum Wirtschaftstrainer war, wobei die Inhalte der Wochenendeinheiten wie folgt beschrieben werden: Potenzanalyse mit Coaching, Kommunikation und Körpersprache, Präsentation und Moderation, Neurolinguistisches Programmieren, Methodik und Didaktik, Konfliktmanagement, Coaching und Beratung, Trainers practise, Videotuning & Coaching, Trainers Testing. Nach Abschluß der Module war eine theoretische und praktische Prüfung vorgesehen, um ein Diplom zum Wirtschafts- und Kommunikationstrainer zu erwerben.

Als Aufnahmekriterien für den absolvierten Lehrgang werden in den Unterlagen bloß Interesse am Fachgebiet, Kommunikationsfreude und Begeisterung für das Thema angegeben. Seitens der Lehrgangsleitung werden als Zielgruppe Jungakademiker aller Fakultäten und Interessenten aus der wirtschaftlichen und pädagogischen Praxis genannt. Nur 20% der Teilnehmer wollen laut Angaben in den Unterlagen wirklich in der Trainerbranche Fuß fassen, der Rest möchte sich spezialisieren oder an sich selbst arbeiten bzw. sich persönlich weiterbilden und entwickeln.

Mit Bescheid vom 17. März 2004 wurde die Arbeitnehmerveranlagung für 2003 durchgeführt und die vom Bw. für Aus- bzw. Fortbildung geltend gemachten Beträge nicht als Werbungskosten anerkannt, da die absolvierte Trainerausbildung nicht nur für eine bestimmte Berufsgruppe angeboten wurde, weshalb die Kosten als nicht abzugsfähig gemäß § 20 EStG 1988 beurteilt wurden.

Der Bw. erhob Berufung und führte aus, dass er in leitender Funktion tätig sei und in der Zusammenarbeit in einem multiprofessionellem Team arbeite. Es gehöre zu seinen Hauptaufgaben Menschen zu leiten und zu führen, wobei die Kommunikation und die besuchten Module als wichtiges Instrument dienen. Da sich auch non profit Unternehmen den stetigen wirtschaftlichen Herausforderungen stellen müssen, sei dies eine gezielte Bildung, welche im beruflichen Kontext des Bw., ihren Ein/Umsatz finde.

Ergänzend beantragte der Bw. seinen Beitrag für den Berufsverband österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeberufe in Höhe von € 80,-, der vom Dienstgeber nicht berücksichtigt worden sei, als Werbungskosten zu beachten.

Mit Berufungsvorentscheidung vom 29. Juli 2004 wurde der Einkommensteuerbescheid für 2003 geändert und die vom Bw. geltend gemachten Ausgaben in Höhe von € 80,- an Mitgliedsbeitrag als zusätzliche Werbungskosten anerkannt.

Hinsichtlich der geltend gemachten Kosten für die Trainerausbildung wurde vom Finanzamt ausgeführt, dass diese nicht anerkannt werden können, da im vorliegenden Fall keine berufsspezifische Weiterbildung vorliege. Diese Kosten seien daher gemäß § 20 EStG 1988 nicht abzugsfähig.

Der Bw. stellte den Antrag auf Entscheidung über die Berufung durch die Abgabenbehörde zweiter Instanz und legte dar, dass er die von ihm besuchten Module als berufsspezifisch ansehe, da er als Stationsleitung eine direkte Umsetzung des erworbenen Wissens täglich vornehme. Inhalt seiner Tätigkeit seien Punkte wie Mitarbeiterorientierungsgespräche, Konfliktfähigkeit, Führung von Mitarbeitern etc.

Der Bw. betonte, dass auch er, wie das Finanzamt, der Meinung sei, dass kommunikative Fähigkeiten in einer Vielzahl von Berufen und im Zusammenleben der Menschen ganz allgemein von Bedeutung seien.

Ergänzend legte der Bw. noch eine genaue Beschreibung der absolvierten Module vor und betonte, dass beim Coaching sein persönliches Berufsbild bearbeitet worden sei, um einen Praxisbezug zu erhalten und die Selbstreflexion zu erhöhen.

Über die Berufung wurde erwogen:

Strittig ist im vorliegenden Fall, ob die vom Bw. im Jahr 2003 im Zusammenhang mit der Absolvierung des Lehrganges zum Wirtschaftstrainer bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemachten Aufwendungen für den Lehrgang (€ 2.078,-) und die Reisen nach Graz (€ 3.258,07 ) als Werbungskosten abzugsfähig sind.

Gemäß § 16 Abs 1 Z 10 EStG 1988 idF BGBL.I 2002/155 ab 2003 sind Werbungskosten auch Aufwendungen für Aus- und Fortbildungsmassnahmen im Zusammenhang mit der vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten beruflichen Tätigkeit und Aufwendungen für umfassende Umschulungsmaßnahmen, die eine Tätigkeit in einem neuen Berufsfeld ermöglichen.

Gemäß § 20 Abs 1 Z 2 lit.a EStG 1988 dürfen bei den einzelnen Einkünften Aufwendungen oder Ausgaben für die Lebensführung nicht abgezogen werden, selbst wenn sie die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt und sie zur Förderung des Berufes oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen.

Der Unabhängige Finanzsenat geht im vorliegenden Fall von folgendem Sachverhalt aus:

Der Bw. bezieht im Streitjahr 2003 Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit als diplomierter Krankenpfleger. Im Jänner 1999 hat der Bw. laut vorgelegtem Zeugnis an der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen, Bereich Pflege am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien die mehrmonatige Weiterbildung für diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger zu leitenden Pflegepersonen der 1. Führungsebene absolviert und ist seither berechtigt die Zusatzbezeichnung "Stationsleitung" zu führen.

Im Jahr 2003 hat der Bw. den Lehrgang zum Wirtschaftstrainer in 10 Wochenendmodulen absolviert. Die Module beinhalteten folgende Schwerpunkte: Potenzanalyse mit Coaching, Kommunikation und Körpersprache, Präsentation und Moderation, Neurolinguistisches Programmieren, Methodik und Didaktik, Konfliktmanagement, Coaching und Beratung, Trainers practise, Videotuning & Coaching sowie einen Abschlußtest. Der Lehrgang ist ohne Aufnahmekriterien für jedermann bei Interesse allgemein zugänglich und wird laut Angaben der Lehrgangsleitung von Jungakademikern aller Fachrichtungen, sowie interessierten Personen aus der wirtschaftlichen und pädagogischen Praxis besucht.

Der Bw. gibt an in leitender menschenführender Funktion tätig zu sein und das im Lehrgang vermittelte Wissen betreffend Kommunikation im Berufsleben ein- bzw. umzusetzen.

Zur Begründung des Finanzamtes, dass die Lehrgangsthemen nicht nur eine bestimmte Berufsgruppe ansprechen und kommunikative Fähigkeiten ganz allgemein für Menschen von Bedeutung seien, nimmt der Bw. nicht Stellung, sondern legt in seinem Vorlageantrag nur nochmals die genaue Beschreibung der absolvierten Lehrgangsmodule vor, ohne die Feststellung des Finanzamtes zu entkräften, dass Bildungsmaßnahmen, die für Personen der verschiedensten Berufsgruppen von Interesse bzw. von Nutzen sind, keine Werbungskosten darstellen.

Ausgehend vom ermittelten Sachverhalt und unter Beachtung der zur vorliegenden Problematik ergangenen Rechtsprechung zu § 16 Abs 1 Z 10 EStG und § 20 Abs 1 Z 2 lita EStG 1988 (VwGH v. 24.9.1999, 99/14/0096; 22.11.1995, 95/15/0161) geht der Unabhängige Finanzsenat im Fall des Bw. davon aus, dass der absolvierte Lehrgang zum Wirtschaftstrainer keine berufsspezifische Fortbildung für den als stationsleitenden Krankenpfleger tätigen Bw. darstellt, weil er Angehörigen verschiedener Berufsgruppen ohne weitere Aufnahmekriterien zugänglich war. Das Argument des Bw., dass der Erwerb kommunikativer Fähigkeiten in seinem Beruf förderlich ist, ist zwar richtig, doch ist diesem entgegenzuhalten, dass diese Fähigkeiten sowohl in den meisten Berufen nötig, als auch im allgemeinen Zusammenleben der Menschen von Bedeutung sind, daher also ein allgemein nützliches Wissen darstellen.

Aus den vom Bw. vorgelegten Unterlagen zum detaillierten Inhalt der Module des Lehrganges ergibt sich, dass diese nicht geeignet sind, eine für den als Krankenpfleger tätigen Bw. berufsspezifische Wissensvermittlung aufzuzeigen. Der Beruf des Bw. ist der eines ausgebildeten Krankenpflegers, der in der Funktion eines Stationsleiters tätig ist. Für den Unabhängigen Finanzsenat ist nicht ersichtlich, inwiefern die Inhalte des Lehrganges wie Videotraining, Feedbackregeln, Rhetorik und Sprechtechnik, mentales Training und Feuerlauf, Konfliktlösung etc. berufsspezifische Fortbildung des Bw. darstellen. Alle diese Inhalte sind für jedermann, der im Berufsleben mit anderen Menschen zu tun hat nützlich und fördern so die Tätigkeit des Bw., stellen jedoch mangels Zusammenhang der Fortbildunggsinhalte mit der vom Steuerpflichtigen im Streitjahr 2003 ausgeübten beruflichen Tätigkeit keine Werbungskosten dar, sondern sind nichtabzugsfähige Aufwendungen im Sinne des § 20 Abs 1 Z 2 lit a EStG 1988.

Werbungskosten dienen dem Gesetzestext des § 16 EStG zufolge der Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung der Einnahmen. Für den Erhalt der Einnahmen des Bw. ist keine Notwendigkeit gegeben einen derartigen Lehrgang zu absolvieren. Der Bw. hat im Rahmen der von seinem Dienstgeber angebotenen Fortbildung im Jahr 1999 einen Lehrgang betreffend die Stationsleitung absolviert, in welchem die für diese Funktion zusätzlich zur Grundausbildung notwendigen Inhalte vermittelt werden. Der Bw. selbst gesteht zu, dass kommunikative Fähigkeiten in einer Vielzahl von Berufen und im Zusammenleben der Menschen allgemein von Bedeutung sind.

Aus der Rechtsprechung zur Fortbildung (vgl. VwGH v. 26.11. 2003,99/13/0160; 29.1.2004, 2000/15/0009; 15.4.1998,98/14/0004, 22.9.2005,2003/14/0090) ergibt sich, dass aufgrund der Lehrinhalte zu prüfen ist, ob die Fortbildung auf die Berufsgruppe des Bw. zugeschnitten ist oder für Angehörige verschiedener Berufsgruppen angeboten wird. Bei Prüfung ergibt sich im vorliegenden Fall eindeutig, dass der angebotene Lehrgang für jedermann zugänglich ist und die angebotenen Lehrinhalte allgemein nützliches Wissen enthalten. Dem vom Bw. absolvierten Lerhgang zum Wirtschaftstrainer mangelt es daher an der gesetzlich geforderten Voraussetzung des Zusammenhanges mit der vom Bw. konkret ausgeübten Tätigkeit. Der Bw. konnte auch die berufliche Notwendigkeit des Besuches des Lehrganges zum Wirtschaftstrainer nicht nachweisen.

Aus den oben angeführten Gründen war der Berufung des Bw. daher im Umfang der Berufungsvorentscheidung teilweise Folge zu geben, der Mitgliedsbeitrag in Höhe von € 80,- anzuerkennen, die Kosten im Zusammenhang mit dem absolvierten Lehrgang zum Wirtschaftstrainer jedoch nicht als Werbungskosten anzuerkennen. Die Berechnung der Einkommensteuer für das Jahr 2003 ist der Berufungsentscheidung vom 29. Juli 2004 zu entnehmen.

Ergeht auch an das Finanzamt

Wien, am 26. Jänner 2006