Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 07.04.2006, RV/0544-W/06

Anspruchszinsen mit Argumenten gegen Grundlagenbescheid bekämpft

Rechtssätze

Keine Rechtssätze vorhanden

Entscheidungstext

 

Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Firma I-GmbH, vertreten durch Dkfm. Wilhelm Szucs, Wirtschaftstreuhänder, Steuerberater, 1040 Wien, Frankenberggasse 14/16, vom 29. März 2004 gegen den Bescheid des Finanzamtes Mödling vom 4. Februar 2004 über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2000 (§ 205 BAO) entschieden:

Die Berufung wird als unbegründet abgewiesen.

Der angefochtene Bescheid bleibt unverändert.

Entscheidungsgründe

Mit Bescheid des Finanzamtes Mödling vom 4. Februar 2004 über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2000 wurden die Anspruchszinsen für die Körperschaftsteuer der Berufungswerberin (Bw.) für das Jahr 2000 in einer Höhe von € 398,83 festgesetzt.

Nachdem mit Schreiben vom 2. März 2004 um Verlängerung der Berufungsfrist ersucht wurde, wurde im Schreiben vom 29. März 2004 sowohl gegen den oben zitierten Bescheid als auch gegen den Körperschaftsteuerbescheid 2000 und den Umsatzsteuerbescheid 2000 jeweils vom 4. Februar 2004 Berufung eingebracht und ausgeführt, dass im Rahmen einer abgabenbehördlichen Betriebsprüfung vom Prüfer Aufwendungen im Zusammenhang mit einer vom geprüften Unternehmen im Jahre 2000 durchgeführten Event-Marketing Veranstaltung nur zur Hälfte als abzugsfähig anerkannt worden seien. Die in diesem Zusammenhang mit diesen Aufwendungen stehenden Vorsteuern seien ebenfalls nur zur Hälfte als abzugsfähig anerkannt worden. Dagegen werde Berufung erhoben.

Von der Bw. werden zwar umfangreiche Ausführungen zu den Feststellungen der Betriebsprüfung und zum Thema Werbung und Event-Marketing dargelegt, doch beziehen sich die Ausführungen auf die gleichzeitig angefochtenen Umsatz- und Körperschaftsteuerbescheide 2000, ohne auf den Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen näher einzugehen.

Die Bw. beantragt, die durch die Veranstaltung des Marketing-Events entstandenen Aufwendungen in voller Höhe als abzugsfähige Betriebsausgaben anzuerkennen und den vollen Vorsteuerabzug zu gewähren.

Die Berufung wurde mit Schreiben vom 15. März 2006 an den unabhängigen Finanzsenat vorgelegt.

Über die Berufung wurde erwogen:

Gemäß § 205 Abs. 1 BAO sind Differenzbeträge an Einkommensteuer und Körperschaftsteuer, die sich aus den Abgabenbescheiden unter Außerachtlassung von Anzahlungen, nach Gegenüberstellung mit Vorauszahlungen oder mit der bisher festgesetzt gewesenen Abgabe ergeben, für den Zeitraum ab 1. Oktober des dem Jahr des Entstehens des Abgabenanspruchs folgenden Jahres bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Bescheide zu verzinsen.

Gemäß § 205 Abs. 2 BAO betragen die Anspruchszinsen pro Jahr 2 % über dem Basiszinssatz und sind für einen Zeitraum von höchstens 42 Monaten festzusetzen. Anspruchszinsen, die den Betrag von € 50,00 nicht erreichen, sind nicht festzusetzen.

Gemäß § 205 Abs. 3 BAO kann der Abgabepflichtige, auch wiederholt, auf Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer Anzahlungen dem Finanzamt bekannt geben. Anzahlungen sowie Mehrbeträge zu bisher bekannt gegebenen Anzahlungen gelten für die Verrechnung nach § 214 am Tag der jeweiligen Bekanntgabe als fällig. Wird eine Anzahlung in gegenüber der bisher bekannt gegebenen Anzahlung verminderter Höhe bekannt gegeben, so wirkt die hieraus entstehende, auf die bisherige Anzahlung zu verrechnende Gutschrift auf den Tag der Bekanntgabe der verminderten Anzahlung zurück. Entrichtete Anzahlungen sind auf die Einkommensteuer- bzw. Körperschaftsteuerschuld höchstens im Ausmaß der Nachforderung zu verrechnen. Soweit keine solche Verrechnung zu erfolgen hat. sind die Anzahlungen gutzuschreiben; die Gutschrift wird mit Bekanntgabe des im Abs. 1 genannten Bescheides wirksam. Mit Ablauf des Zeitraumes des Abs. 2 dritter Satz sind noch nicht verrechnete und nicht bereits gutgeschriebene Anzahlungen gutzuschreiben.

Dem angefochtenen Anspruchszinsenbescheid 2000 vom 4. Februar 2004 liegt die im Körperschaftsteuerbescheid für das Jahr 2000 vom 4. Februar 2004 ausgewiesene Abgabennachforderung von € 3.955,87 zugrunde. Die Bw. bekämpft den Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen 2000 zusammengefasst mit der Begründung, dass der zugrunde liegende Abgabenbescheid unrichtig sein soll.

Dazu ist festzuhalten, dass Anspruchszinsenbescheide an die Höhe der im Bescheidspruch der entsprechenden Körperschaftsteuerbescheide ausgewiesenen Nachforderungen gebunden sind.

Nach den Ausführungen in den Erläuterungen zur Regierungsvorlage der oben zitierten Gesetzesbestimmung (RV 311 BlgNR 21. GP, 210 ff.) entstehen Ansprüche auf Anspruchszinsen unabhängig von einem allfälligen Verschulden des Abgabepflichtigen oder der Abgabenbehörde. Zinsenbescheide setzen nicht die materielle Richtigkeit des Stammabgabenbescheides, wohl aber einen solchen Bescheid voraus. Solche Bescheide sind daher auch nicht mit der Begründung anfechtbar, der Stammabgabenbescheid bzw. ein abgeänderter Bescheid wäre rechtswidrig.

Die prozessuale Bindung von - wie im vorliegenden Fall - abgeleiteten Bescheiden kommt nur dann zum Tagen, wenn ein Grundlagenbescheid rechtswirksam erlassen worden ist (vgl. Ritz, BAO-Kommentar2, § 252 Tz. 3).

Weder aus dem Berufungsvorbringen noch aus dem Veranlagungsakt sind Argumente ersichtlich, dass der die Anspruchszinsen auslösende Körperschaftsteuerbescheid 2000 nicht rechtswirksam erlassen worden wäre oder dass die Höhe der Anspruchszinsen nicht korrekt berechnet wäre, sodass der angefochtene Anspruchszinsenbescheid - dem auch keine formalrechtlichen Hindernisse entgegenstehen - zu Recht erlassen wurde.

Abschließend darf darauf hingewiesen werden, dass für den Fall, dass der Berufung gegen den Körperschaftsteuerbescheid allenfalls stattgegeben werden sollte und sich nachträglich die Rechtswidrigkeit der maßgebenden (Nachforderungs- und Gutschriftszinsen bedingenden) Abgabenfestsetzung erweist, ein neu zu erlassender Gutschriftszinsen- bzw. Nachforderungsbescheid die Belastung mit Gutschrifts- und Nachforderungszinsen nach dem Willen des Gesetzgebers egalisiert. Der bei allfälliger Stattgabe der Berufung gegen den Körperschaftsteuerbescheid errechnete Abgabenbetrag löst (unter der Voraussetzung, dass der Unterschiedsbetrag mehr als € 50,00 beträgt) somit einen Gutschriftszinsenbescheid aus, der bei Gesamtbetrachtung das in der Berufung gegen den Bescheid über die Festsetzung von Anspruchszinsen gewünschte Ergebnis bringen könnte.

Es war daher spruchgemäß zu entscheiden.

Informativ wird mitgeteilt, dass gegen die Berufung gegen den Körperschaftsteuerbescheid 2000 zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden wird.

Wien, am 7. April 2006