Kommentierte EntscheidungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSL vom 20.11.2006, RV/0453-L/06

Fehlen eines Aufenthaltstitels im Sinn der §§ 8 und 9 Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz.

Beachte
  • VfGH-Beschwerde zur Zl. B 70/07 eingebracht. Behandlung der Beschwerde mit Beschluss vom 11.6.2007 abgelehnt.

Rechtssätze

Keine Rechtssätze vorhanden

Entscheidungstext

Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw., vom 8. Mai 2006 gegen den Bescheid des Finanzamtes Braunau Ried Schärding vom 25. April 2006 betreffend Abweisung eines Antrages auf Gewährung der Familienbeihilfe ab 1. Jänner 2006 entschieden:

Die Berufung wird als unbegründet abgewiesen.

Der angefochtene Bescheid bleibt unverändert.

Entscheidungsgründe

Die Berufungswerberin ist nigerianische Staatsbürgerin und hält sich seit dem Jahr 2002 in Österreich auf. Ihr minderjähriges Kind wurde im Jahr 2002 in Österreich geboren. Ein Asylantrag wurde abgewiesen, es wurde jedoch eine befristete Aufenthaltsberechtigung bis 16.3.2011 erteilt. Auf Grund dieser Umstände wies das Finanzamt mit Bescheid vom 25.4.2006 einen Antrag auf Gewährung von Familienbeihilfe für das minderjährige Kind ab und verwies in der Begründung auf die ab 1.1.2006 geltende Rechtslage nach § 3 FLAG 1967.

In der dagegen eingebrachten Berufung führte die Berufungswerberin sinngemäß Folgendes aus: Sie sei bereits seit mehreren Jahren in Österreich rechtmäßig unselbständig beschäftigt und hätte bereits Anspruch auf Bezug von Arbeitslosengeld. Bis zum In-Kraft-Treten der Novelle BGBl 100/2005 des FLAG 1967 am 1.1.2006 hätte sie die Voraussetzungen für den Bezug von Familienbeihilfe erfüllt. Sie habe sich als Asylwerber in Österreich befunden und verfüge nun über eine vorläufige Aufenthaltsberechtigung nach den Bestimmungen des Asylgesetzes. Dieser rechtmäßige Aufenthalt solle ebenso wie bei nach dem NAG zum Aufenthalt berechtigten Fremden bei der Gewährung von Familienbeihilfe berücksichtigt werden. Eine unterschiedliche Behandlung von Flüchtlingen gegenüber Migranten sei nicht nachvollziehbar und gleichheitswidrig. Außerdem handle es sich bei der Neuregelung des FLAG um einen Eingriff in wohlerworbene Rechte und es werde der Vertrauensschutz verletzt, da ein schwerwiegender und plötzlicher Eingriff in eine Rechtsposition vorliege, auf deren Bestand mit gutem Grund vertraut werden konnte. Bis zur Novelle des FLAG wurde die Familienbeihilfe ausbezahlt und sie stelle einen wesentlichen Bestandteil der Mittel zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten dar.

Über die Berufung wurde erwogen:

Gemäß § 3 Abs. 1 FLAG 1967 in der ab 1.1.2006 geltenden Fassung haben Personen, die nicht österreichische Staatsbürger sind, nur dann Anspruch auf Familienbeihilfe, wenn sie sich nach §§ 8 und 9 des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes (NAG), BGBl. I Nr. 100/2005, rechtmäßig in Österreich aufhalten.

Nach § 3 Abs. 2 leg.cit. besteht Anspruch auf Familienbeihilfe für Kinder, die nicht österreichische Staatsbürger sind, sofern sie sich nach §§ 8 und 9 des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes rechtmäßig in Österreich aufhalten.

§ 3 Abs. 3 leg.cit. besagt: Abweichend von Abs. 1 haben Personen, denen Asyl nach dem Asylgesetz 2005, BGBl. I Nr. 100, gewährt wurde, Anspruch auf Familienbeihilfe. Anspruch besteht auch für Kinder, denen nach dem Asylgesetz 2005 Asyl gewährt wurde.

Bis 31.12.2005 galt für Personen, die nicht österreichische Staatsbürger sind, folgende gesetzliche Regelung des § 3 Abs. 1 FLAG 1967: Danach hatten solche Personen dann Anspruch auf Familienbeihilfe, wenn sie im Bundesgebiet bei einem Dienstgeber beschäftigt waren und aus dieser Beschäftigung Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder zufolge einer solchen Beschäftigung Bezüge aus der gesetzlichen Krankenversicherung im Bundesgebiet bezogen. Kein Anspruch bestand, wenn die Beschäftigung nicht länger als drei Monate dauerte, außerdem, wenn die Beschäftigung gegen bestehende Vorschriften über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer verstieß.

Die oben zitierte Neuregelung der Ansprüche von Personen, die nicht österreichische Staatsbürger sind, erfolgte im Rahmen umfangreicher Änderungen im Bereich des Fremdenrechtes. Danach besteht der Anspruch auf Familienbeihilfe nur mehr für die Personen, die auch zur Niederlassung in Österreich berechtigt sind, wobei diese Berechtigung nach den Bestimmungen des ebenfalls im Rahmen des Fremdenrechtspaketes 2005 erlassenen Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes erteilt wird. In deren §§ 8 und 9, auf die sich das Gesetz bezieht, sind die Arten und Formen der Aufenthaltstitel im Sinn des Gesetzes aufgezählt.

Die Berufungswerberin hat unbestrittenermaßen keinen Aufenthaltstitel nach dieser neuen gesetzlichen Bestimmung, ihre befristete Aufenthaltsberechtigung nach den Bestimmungen des Asylgesetzes ist nach der eindeutigen seit 1.1.2006 geltenden Regelung nicht ausreichend, um einen Anspruch auf Familienbeihilfe zu vermitteln. Auch dass sich die Berufungswerberin bis zur Abweisung ihres Asylantrages als Asylwerberin in Österreich befunden hat, ändert nichts an dieser Feststellung, da der oben zitierte § 3 Abs. 3 FLAG 1967 Asylsuchende erst ab dem Zeitpunkt begünstigt, ab dem ihnen mit Bescheid endgültig Asyl gewährt wurde. Diese Regelung entspricht überdies in ihrem wesentlichen Inhalt der bereits vor dem 1.1.2006 geltenden Rechtslage (§ 3 Abs. 2 FLAG 1967 i.d.F. BGBl. I Nr. 142/2004), sodass dieser Status der Berufungswerberin auch vor der nunmehrigen Gesetzesänderung keinen Anspruch auf Familienbeihilfe vermittelt hat.

Im Übrigen ist zu den Ausführungen in der Berufung zu bemerken, dass nach der Aktenlage nicht festgestellt werden konnte, dass die Berufungswerberin nach der früheren Regelung einen Anspruch auf Familienbeihilfe hatte, da in den Vorjahren auch keine durchgehende Beschäftigung bestanden hatte. Die Einwendungen in der Berufung, wonach durch die Neuregelung ein Eingriff in wohlerworbene Rechte vorliege und der Vertrauensschutz verletzt sei bzw. eine "unvorhergesehene Änderung" vorliege, die die Existenz bedrohe, erscheinen bei dieser Sachlage nicht gerechtfertigt.

Die Berufungswerberin bestreitet nicht, dass die Abgabenbehörde die Entscheidung entsprechend der gesetzlichen Regelung getroffen hat. Sie zweifelt lediglich die verfassungsrechtliche Unbedenklichkeit der neuen gesetzlichen Regelung an.

Da die Abgabenbehörde ihre Entscheidungen jedoch lediglich im Sinn der Gesetze treffen kann, ist die Abweisung des Antrages auf Gewährung von Familienbeihilfe ab 1.1.2006 zu Recht erfolgt. Der Berufung konnte daher kein Erfolg beschieden sein.

Linz, am 20. November 2006