Kommentierte EntscheidungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 20.03.2003, RV/1946-W/02

Abgabenbescheid bei Selbstberechnung

Beachte
  • Der Fall betrifft noch Abgaben, die nicht nach dem 31. Dezember 2002 entstanden sind. Die Neufassung des § 201 BAO nach dem AbgRmRefG (BGBl. I Nr. 97/2002) war daher noch nicht anzuwenden (vgl. § 323 Abs. 11 BAO).

Rechtssätze

Stammrechtssätze

RV/1946-W/02-RS1 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
Liegen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erlassung eines Bescheides nach § 201 BAO nicht vor, ist der Antrag auf Festsetzung der Selbstberechnungsabgabe abzuweisen und nicht zurückzuweisen.

Zusatzinformationen

betroffene Normen:
Schlagworte:
Zurückweisung, Abweisung, Antragsrecht, abgabenbehördliche Festsetzung, Selbstberechnungsabgabe

Entscheidungstext

Der unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Bw. gegen den Zurückweisungsbescheid des Finanzamtes für den 6., 7. und 15. Bez. in Wien betreffend Festsetzung des zuviel entrichteten Dienstgeberbeitrags zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen für die Jahre 1999 und 2000 vom 12. Jänner 2001 entschieden:

 

Der Berufung wird Folge gegeben.

Der angefochtene Bescheid wird ersatzlos aufgehoben.

Rechtsbelehrung

Gegen diese Entscheidung ist gemäß § 291 der Bundesabgabenordnung (BAO) ein ordentliches Rechtsmittel nicht zulässig. Es steht Ihnen jedoch das Recht zu, innerhalb von sechs Wochen nach Zustellung dieser Entscheidung eine Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof oder den Verfassungsgerichtshof zu erheben. Die Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof muss - abgesehen von den gesetzlich bestimmten Ausnahmen - von einem Rechtsanwalt unterschrieben sein. Die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof muss - abgesehen von den gesetzlich bestimmten Ausnahmen - von einem Rechtsanwalt oder einem Wirtschaftsprüfer unterschrieben sein.

Entscheidungsgründe

Die Bw. brachte am 28. Dezember 2000 einen Antrag gemäß § 201 BAO auf Festsetzung des zuviel entrichteten Dienstgeberbeitrages zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen (DB) für die Jahre 1999 und 2000 ein.

Begründet wurde der Antrag damit, dass auch der Verwaltungsgerichtshof die Rechtsansicht vertrete, dass die Einhebung von DB für Geschäftsführer (GF) mit einer Beteiligung von mehr als 25 % nicht verfassungsgemäß und daher die Bezahlung des DB für 1999 i.H.v. 28.350 S und für 2000 i.H.v. 37.800 S zu Unrecht erfolgt sei.

 

Im Zurückweisungsbescheid des Finanzamtes vom 12. Jänner 2001 wurde der Antrag der Bw. zurückgewiesen, weil die Eingabe der Bw. aus folgendem Grunde nicht zulässig sei: "§ 201 BAO sehe kein entsprechendes Antragsrecht vor. Überdies läge in einem solchen Bescheid kein Mittel einer zweckentsprechenden Rechtsverteidigung im Sinne der Judikatur vor."

 

In der dagegen eingebrachten Berufung führt die Bw. im Wesentlichen wie folgt aus:

  • Die Bw. verweise auf § 201 1. Satz BAO, wonach bei Selbstberechnungsabgaben ein Bescheid dann zu erlassen sei, wenn die Selbstberechnung sich als unrichtig erweist.
  • Unstrittig sei, dass der DB eine Selbstbemessungsabgabe sei.§ 42 FLAG verlange vom Dienstgeber eine entsprechende Berechnung und Abfuhr.Es sei daher unstrittig, dass bei unrichtiger Selbstberechnung des DB ein Bescheid nach § 201 BAO zu erlassen sei.
  • Die Erlassung eines Festsetzungsbescheides sei kein Ermessen der Abgabenbehörde, sondern bestehe hiezu vielmehr eine Verpflichtung.
  • Die Bw. beantrage daher die Erlassung eines Bescheides gem. § 201 BAO betreffend DB unter Ausscheidung jenes DB, welcher auf die Bezüge des Gesellschafter-GF entfalle.

 

Über die Berufung wurde erwogen:

§ 201 BAO in der für den gegenständlichen Fall geltenden Fassung (BGBl. I Nr. 151/1980) normiert:

Wenn die Abgabenvorschriften die Selbstberechnung einer Abgabe durch den Abgabepflichtigen ohne abgabenbehördliche Festsetzung der Abgabe zulassen, ist ein Abgabenbescheid nur zu erlassen, wenn der Abgabepflichtige die Einreichung einer Erklärung, zu der er verpflichtet ist, unterlässt oder wenn sich die Erklärung als unvollständig oder die Selbstberechnung als nicht richtig erweist. "Innerhalb derselben Abgabenart kann die Festsetzung mehrerer Abgaben in einem Bescheid zusammengefasst erfolgen."

 

§ 92 Abs. 1 lit. b BAO normiert: Erledigungen einer Abgabenbehörde sind als Bescheide zu erlassen, wenn sie für einzelne Personen abgabenrechtlich bedeutsame Tatsachen feststellen.

 

Die Festsetzung einer Selbstberechnungsabgabe setzt somit u.a. voraus, dass sich die bekannt gegebene Selbstberechnung als nicht richtig erweist. Im gegenständlichen Fall wurde aber die Berechnung der DB-Beiträge aufgrund der von der Bw. bekanntgegebenen GF-Bezüge richtig berechnet und abgeführt, d.h. eine Unrichtigkeit der Selbstberechnung als Voraussetzung für die Erlassung eines Abgabenbescheides liegt im gegenständlichen Fall nicht vor.

 

Erweist sich die Behauptung der Partei als nicht richtig, hat die Abgabenbehörde den Antrag mit der Begründung abzuweisen, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erlassung eines Bescheides nach § 201 BAO nicht vorliegen (vgl. Stoll BAO-Kommentar, Band 2, Pkt. 2 zu § 201).

 

Bei Meinungsverschiedenheiten über die Richtigkeit der Selbstbemessung (vgl. Ritz BAO Kommentar, 2. Auflage, Tz. 5 zu § 201) wäre somit ein Bescheid zu erlassen gewesen, in dem das Finanzamt das Begehren der Bw. abweist, da unstrittig im gegenständlichen Fall eine Unrichtigkeit der Selbstberechnung nicht vorliegt. Der angefochtene Bescheid war daher ersatzlos aufzuheben.

 

Wien, 20. März 2003