Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSL vom 13.04.2010, RV/0668-L/08

Coaching-Seminar als Fortbildung eines Projektleiters; auch als Aufwand der privaten Lebensführung denkbar und somit kein abzugsfähiger Aufwand.

Rechtssätze

Keine Rechtssätze vorhanden

Entscheidungstext

Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des Ing. Bw, vom 25. Februar 2008 gegen den Bescheid des Finanzamtes Braunau Ried Schärding vom 30. Jänner 2008 betreffend Einkommensteuer 2006 entschieden:

Die Berufung wird als unbegründet abgewiesen.

Der angefochtene Bescheid bleibt unverändert.

Entscheidungsgründe

Der Berufungswerber beantragte in seiner Einkommensteuererklärung für das Jahr 2006 unter anderem hier streitgegenständliche Werbungskosten für Aus- und Fortbildung in Höhe von 1.500,00 € (Coaching von Kundengesprächen). Die Teilnahme wurde durch Vorlage einer Bestätigung der apg - arbeitsgemeinschaft für psychotherapie, gruppentherapie und gruppendynamik - belegt.

Mit Einkommensteuerbescheid 2006 vom 30. Jänner 2008 wurde die Einkommensteuer dieses Jahres abweichend von den eingereichten Daten festgesetzt. Begründend wurde neben hier nicht streitgegenständlichen Abweichungen angeführt, dass Aufwendungen für "Coaching" nicht als Berufsfortbildung iSd § 16 EStG 1988 betrachtet und somit nicht als Werbungskosten abgesetzt werden können. Coaching könne von Angehörigen verschiedenster Berufsgruppen besucht werden, woraus abgeleitet werden könne, dass das vermittelte Wissen von sehr allgemeiner Art sei. Das vermittelte Wissen und das geübte Training seien ebenso gut im privaten Lebensbereich wie auch im Berufsleben anwendbar. Eine spezielle berufsspezifische Fortbildung würde nicht vorliegen.

Mit Eingabe vom 25. Februar 2008 wurde Berufung gegen den Einkommensteuerbescheid für 2006 erhoben. Der Einkommensteuerbescheid für 2006 vom 4. Oktober 2007 sei aus nicht ersichtlichen und erkennbaren Gründen aufgehoben worden. Aufgrund von berufsbedingtem Zeitmangel sei der Berufungswerber noch nicht in der Lage die Richtigkeit der Rechtsgrundlage dieser Aufhebung mit dem Steuerberater/Rechtsanwalt zu überprüfen. Einzig zum Thema "Coaching" könne der Berufungswerber im Moment eine Aussage treffen. Der Besuch dieses Persönlichkeitstrainings sei für den Berufungswerber aufgrund extremer Belastungen in der Tätigkeit als Projektleiter für Industriegroßanlagen von sehr großer Bedeutung, um seine gravierenden Entscheidungen für Kosten und Personalplanung in einem für ihn und seiner Firma zufriedenstellendem Maße durchzuführen. Es sei klar, dass zwischenmenschliche Beziehung im Privat und auch Berufsumfeld von Bedeutung sei. Aber gerade im Berufsleben würde diese immer mehr im Vordergrund stehen und würde auch von den Firmen gefördert. Deshalb sei der Berufungswerber der Meinung, dass "Coaching" sehr wohl als Berufsfortbildung angesehen werden müsse, da man mit dem vermittelten Wissen seine eigenen Interessen und die der Firma besser durchsetzen könne.

In einem Ersuchen um Ergänzung vom 22. April 2008 seitens des zuständigen Finanzamtes wurde der Berufungswerber aufgefordert, die in der Berufungsschrift angekündigte schriftliche Stellungnahme vorzulegen. Ebenso seien bzgl. der beantragten Kosten für "Coaching" Thema und Inhalt der Coaching-Stunden vorzulegen. Ein Programm sei ebenfalls vorzulegen.

Mit Berufungsvorentscheidung vom 4. Juni 2008 wurde die Berufung als unbegründet abgewiesen. Da trotz Aufforderung vom 27. Februar 2008 (Anm. Referent: gemeint wohl 22. April 2008) die noch benötigten Unterlagen nicht vorgelegt wurden, sei die Berufung abzuweisen gewesen.

Mit Eingabe vom 24. Juni 2008 wurde abermals Berufung gegen den Einkommensteuerbescheid eingereicht (Vorlageantrag). Nach Rücksprache mit dem Steuerberater seien die Punkte mit Ausnahme des "Coaching-Seminars" zu akzeptieren. Thema und Inhalt des Punktes "Coaching" sei dem Anhang zu entnehmen. Anhang: Bestätigung apg vom 15. Juni 2008: "Herr Berufungswerber hat bei mir 2006 an einer fortlaufenden Selbsterfahrungsgruppe mit dem Katathymen Bilderleben (KIP) teilgenommen und dafür insgesamt Euro 1.500,00 bezahlt. Diese Gruppe war für seine berufliche Fortbildung ein wichtiger Baustein, da sie für seine berufsnotwendigen Verhandlungen die nötigen Voraussetzungen schuf (sicheres Auftreten, Durchsetzungsfähigkeit, etc.)."

Mit Vorlagebericht vom 2. Juli 2008 wurde gegenständliche Berufung dem Unabhängigen Finanzsenat zur Entscheidung vorgelegt.

Über die Berufung wurde erwogen:

Gem. § 16 Abs. 1 EStG 1988 sind Werbungskosten die Aufwendungen oder Ausgaben zur Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung der Einnahmen.

Gem. § 16 Abs. 1 Z 10 EStG 1988 sind Werbungskosten die Aufwendungen für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten beruflichen Tätigkeit und Aufwendungen für umfassende Umschulungsmaßnahmen, die auf eine tatsächliche Ausübung eines anderen Berufes abzielen.

Der Berufungswerber stellte nicht dar, dass er seine berufliche Tätigkeit aufgeben wolle und im Bereich der Psychotherapie tätig werden wolle. Es ist also von keiner Umschulungs- bzw. Ausbildungsmaßnahme auszugehen. Allenfalls können Fortbildungsaufwendungen vorliegen.

Gem. § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG 1988 dürfen bei den einzelnen Einkünften Aufwendungen oder Ausgaben für die Lebensführung nicht abgezogen werden, selbst wenn sie die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt und sie zur Förderung des Berufes oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen.

Lassen sich die Aufwendungen, die ausschließlich auf die berufliche Sphäre entfallen, nicht einwandfrei von den Aufwendungen für die private Lebensführung trennen, dann gehört der Gesamtbetrag derartiger Aufwendungen zu den nichtabzugsfähigen Ausgaben (vgl. VwGH 23.4.1985, 84/14/0119).

Hier ist eine Abgrenzung zu Bildungsmaßnahmen zu ziehen, die den nicht abzugsfähigen Aufwendungen der Lebensführung zuzuordnen sind. In Fällen von Aufwendungen, die ihrer Art nach eine private Veranlassung nahe legen, darf die Veranlassung durch die Einkunftserzielung nur dann angenommen werden, wenn sich die Aufwendungen als für die betriebliche bzw. berufliche Tätigkeit notwendig erweisen. Nicht abzugsfähig sind jedenfalls alle Bildungsmaßnahmen, die auch bei nicht berufstätigen Personen von allgemeinem Interesse sind bzw. sein können. Die Erläuternden Bemerkungen zu BGBl I 106/1999 nennen dabei zum Beispiel Persönlichkeitsentwicklung, Esoterik und ähnliches; ebenso Aufwendungen für den Besuch von Kursen für neuro-linguistisches Programmieren (NLP).

Da der Berufungswerber keine detaillierte Beschreibung des besuchten Seminares vorlegte, erfolgt die Beschreibung anhand der Darstellung in der freien Enzyklopädie Wikipedia: "Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) ist ein von Hans Carl Leuner 1954 eingeführtes tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren, das anfänglich unter den synonymen Begriffen "Katathymes Bilderleben" (KB) und "Symboldrama" bekannt wurde. Heute heißt es im offiziellen Sprachgebrauch "Katathym Imaginative Psychotherapie" (KIP). Die therapeutische Praxis beruht auf der Anregung zu bildlichen Vorstellungen ( Imaginationen ), für die Leuner eine Anzahl von feststehenden Motiven (zum Beispiel Blume, Haus, Weg) entwickelt hatte. Zwar werden Imaginationen in etlichen Psychotherapiemethoden verwendet, die KIP jedoch systematisiert ihre Anwendung am stärksten. Und es wird eine eigenständige Psychotherapieausbildung für diese Methode angeboten von der Arbeitsgemeinschaft für katathymes Bilderleben und Imagination in der Psychotherapie AGKB in Göttingen. Die KIP darf in Deutschland im Rahmen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie auch als Krankenkassenleistung durchgeführt werden. Die "Katathym Imaginative Psychotherapie" bietet außer dem verbalen Verfahren auch eine Förderung und Anregung der Symbolisierungsprozesse an. Dies ist eine Voraussetzung für Änderungen der Persönlichkeitsstruktur. Mit der KIP ist sowohl jene spezielle, emotionsnah gestaltete Imagination angesprochen, auf der das Verfahren basiert, als auch deren Einbindung in einen psychotherapeutischen Prozess. In diesem Sinne ist die KIP als ein ausdifferenziertes methodisches Vorgehen zur Handhabung der Tagtraumtechnik zu definieren, das auf dem theoretischen Fundament der Psychoanalyse aufgebaut ist und deren wesentliche Parameter wie Übertragung und Gegenübertragung, dynamisches Unbewusstes und Widerstand berücksichtigt werden, symbolischen Prozessen besondere Aufmerksamkeit widmet und dabei der Arbeit mit Imaginationen in Form von Tagträumen einen essentiellen Stellenwert einräumt. Im Unterschied zu Visualisierungstechniken anderer Methoden zeichnen sich die katathymen Imaginationen dadurch aus, dass sie nicht nur optische Eindrücke plastisch vor Augen führen, sondern grundsätzlich alle Sinnesmodalitäten umfassen und sich in Handlungsvollzügen von Tagtraumcharakter entfalten. Das Beiwort "katathym" soll deutlich machen, dass diese Vorstellungen "aus dem Gefühl heraus", also nicht willentlich gesteuert werden. Für den Umgang mit diesen hält die KIP eine Vielzahl lehr- und lernbarer therapeutischer Interventionen bereit. Die Methode wird in eine Grund-, Mittel und Oberstufe eingeteilt. Zu jeder Stufe werden eine Reihe von Standardmotiven und spezifischen Vorgehensweisen angegeben, die in mittlerweile fünf Jahrzehnten beständig ausdifferenziert und weiterentwickelt wurden. Zur Grundstufe gehören Motive wie zum Beispiel Wiese, Bach, und Berg. Bei der Mittelstufe werden Motive wie zum Beispiel Löwe und Auto angewendet und bei der Oberstufe Motive wie zum Beispiel Höhle und Vulkan. Durch vorherige Entspannung des Körpers, welche durch den Therapeuten angeleitet wird, kommt es zu einer kontrollierten Regression und Lockerung der Abwehr. Auf der Bildebene des Tagtraums kommen neben der aktuellen Befindlichkeit des Patienten u.a. seine Wesenszüge, Verhaltenseigentümlichkeiten, Ressourcen, Motivationsstrukturen und zentralen unbewussten Beziehungskonflikte symbolisch zur Darstellung. Darüber hinaus verbildlichen sich immer wieder auch die als "Übertragung" bezeichneten unbewussten Vorstellungen über die therapeutische Beziehung und jene Erfahrungen mit anderen Menschen, die als so genannte "Repräsentanzen" ihren innerseelischen Niederschlag gefunden haben. Die kognitiven und affektiven Inhalte des Tagtraumgeschehens können unter diagnostischen Gesichtspunkten verstanden und therapeutisch aufgegriffen werden, um sie von bewusstseinsnahen Oberflächenschichten her langsam und vorsichtig in die Tiefe unbewussten seelischen Geschehens zu verfolgen. In der Traumtherapie bezieht die KIP die Arbeit mit dem Inneren Kind in die Behandlung ein. Es werden Imaginationen angeleitet, das innere Kind an einen sicheren, guten Ort zu bringen und von imaginären Helferwesen versorgen zu lassen. Neben der Behandlung neurotischer Störungen hat sich das Spektrum der Indikationen auch auf andere psychogene Erkrankungen (strukturelle Ich-Störungen, posttraumatische Belastungsstörungen etc.) erweitert. Für psychosomatische Erkrankungen hält das Verfahren schonende und effektive Behandlungsansätze bereit. Neben der Einzeltherapie (mit besonderen Möglichkeiten der Fokaltherapie ) eignet sich die Tagtraumtechnik auch für die Paar-, Familien- und Gruppentherapie sowie für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Motive: Kottje-Birnbacher beschreibt einige Standardmotive, die in der Katathym-imaginativen Psychotherapie Anwendung finden, genauer und geht auf ihre Bedeutung ein. Hier soll auf die Motive "Wiese" und "Berg" eingegangen werden. Wiese: Bei dem Motiv der Wiese wird die momentane Stimmung des Patienten und seine habituelle Art, an die Welt heranzugehen, gezeigt. Die Charakterisierung seiner momentanen Stimmung geschieht durch die Üppigkeit oder Kargheit, Weite oder Begrenztheit der Wiese, durch das Wetter und die Jahreszeit im vorgestellten Bild. Die Handlungen, die der Patient in seiner Vorstellung ausübt, zeigen seine übliche Herangehensweise an die Welt. Manche Patienten machen es sich gemütlich, andere wollen etwas erleben, ein anderer weiß nicht recht, was er machen soll oder will usw.. Bäume, Tiere oder Menschen können Selbst- und Objektrepräsentanzen symbolisieren. Ebenso kann der Patient in seine Vergangenheit zurückreisen, sich wieder wie ein Kind fühlen und lang vergessene Gefühle wieder beleben. Berg: Der Berg mit seinen Höhen und Formen, kann Einblick in das Anspruchsniveau des Patienten geben. Narzisstische Persönlichkeiten neigen beispielsweise dazu eindrucksvolle, unbesteigbare Hochgebirge zu kreieren, wo hingegen depressive Persönlichkeiten sich meist uninteressante kleine Hügel vorstellen. Das Motiv des Berges kann ebenso den Umgang mit Leistungsaufgaben erforschen, indem der Patient aufgefordert wird den Berg zu besteigen. Der Patient kann z. B. der Aufgabe ausweichen und sich sofort auf den Gipfel des Berges sehen oder er betrachtet den Aufstieg als nicht lohnend. Ebenso die Erwartung an den Aufstieg kann aufschlussreich sein - ist der Weg leicht oder mühevoll zu bewältigen? Gibt es Hindernisse? Wenn ja, wie bewältigt er diese? Sind sie unüberwindbar oder geht der Patient ehrgeizig an diese Herausforderung heran? Überschätzt er sich vielleicht selbst? Ebenso ist es interessant zu beobachten, wie es dem Patienten geht, wenn er sein Ziel, den Gipfel, erreicht hat - ist er befriedigt, erschöpft oder einsam? Wie ist der Rundblick?"

Der Berufungswerber ist seinen Angaben zufolge als Projektleiter für Industriegroßanlagen tätig. Bei dieser Tätigkeit sind zwischenmenschliche Beziehungen von großer Bedeutung. Der Berufungswerber führte hierzu aus: "... Es ist klar dass zwischenmenschliche Beziehung im Privat und auch Berufsfeld von Bedeutung sind, aber gerade im Berufsfeld stehen diese immer mehr im Vordergrund und werden auch den Firmen gefördert. ..."

Der Berufungswerber erkennt also bereits selbst eine sowohl private als auch berufliche Verwertung dieser Fähigkeiten. Gerade diese Verbindungsmöglichkeit lässt aber eine Behandlung als Werbungskosten nicht zu.

Auch die Beschreibung von KIP in der oben angeführten Darstellung aus Wikipedia lässt bereits erkennen, dass der Inhalt keineswegs abgestellt ist auf die Berufsgruppe bzw. auf Tätigkeiten des Berufungswerbers. Aber auch die Bestätigung von apg vom 15. Juni 2008 lässt kein anderes Bild erscheinen. Auch dort wurde dargestellt, dass dieses Seminar zu einem "sicheren Auftreten", zu "Durchsetzungsfähigkeit" führen soll.

Wie bereits oben ausgeführt, ist Voraussetzung zur Anerkennung als Fortbildung im Rahmen der Werbungskosten, ein beinahe ausschließliches Ansprechen der Berufsgruppe des Berufungswerbers bzw. ein beinahe Ausschluss von anderen Personen.

Wenn Aufwendungen (Ausgaben) an den Bereich der privaten Lebensführung angrenzen und es in Einzelfällen denkmöglich ist, dass sie (auch) durch die private Lebensführung veranlasst sind, muss die Abgrenzung zwischen beruflicher und privater Veranlassung durch die Notwendigkeit erfolgen (vgl. VwGH 27.6.2000, 2000/14/0096). Aber gerade diese Notwendigkeit kann nicht erkannt werden. Vom Berufungswerber wurde auch nicht dargestellt, dass er ohne diese Bildungsmaßnahme seinen Beruf nicht mehr ausüben hätte können; allein die Tatsache, dass die Bildungsmaßnahme der Tätigkeit des Berufungswerbers dienlich war, reicht nicht aus, um sie völlig von privaten Anhaltspunkten ("allgemeine Lebensführung") lösen zu können. Wenn Aufwendungen sich aber nicht klar von den Kosten der allgemeinen Lebensführung abgrenzen lassen, ist eine Einstufung als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben nicht zulässig (vgl. auch UFSG 5.11.2008, RV/0251-G/06).

Linz, am 13. April 2010