Berufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSW vom 10.02.2011, RV/2259-W/10

Geschäftsführerhaftung trotz hoher Umsatzsteuergutschriften mangels Vorlage eines Gleichbehandlungsnachweises

Rechtssätze

Keine Rechtssätze vorhanden

Entscheidungstext

Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung des G.R., vertreten durch Rechtsanwältin, vom 23. Februar 2010 gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 2/20/21/22 vom 28. Jänner 2010 betreffend Haftung gemäß § 9 iVm § 80 BAO entschieden:

Der Berufung wird teilweise Folge gegeben und die Haftung für nachstehende Abgaben auf € 78.724,20 (statt bisher € 78.840,51) herabgesetzt:

Lohnsteuer 01-12/1999

3.304,51

Dienstgeberbeitrag 01-12/1999

1.904,34

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/1999

220,22

Lohnsteuer 01-12/2000

124,73

Lohnsteuer 01-12/2001

1.774,19

Dienstgeberbeitrag 01-12/2001

38,14

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2001

4,32

Lohnsteuer 01-12/2002

2.995,78

Dienstgeberbeitrag 01-12/2002

50,85

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2002

4,97

Umsatzsteuer 2002

0,03

Lohnsteuer 11/2003

917,07

Dienstgeberbeitrag 11/2003

1.835,75

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 11/2003

171,34

Dienstgeberbeitrag 12/2003

1.405,24

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 12/2003

235,62

Lohnsteuer 01-12/2003

7.127,78

Dienstgeberbeitrag 01-12/2003

745,68

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2003

69,58

Umsatzsteuer 2003

20,00

Säumniszuschlag 2003

85,96

Körperschaftsteuer 01-03/2004

437,00

Dienstgeberbeitrag 03/2004

193,40

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 03/2004

32,85

Säumniszuschlag 2004

115,42

Säumniszuschlag 2004

50,49

Säumniszuschlag 1999

496,34

Körperschaftsteuer 04-06/2004

437,00

Lohnsteuer 04/2004

2.437,09

Dienstgeberbeitrag 04/2004

1.302,34

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 04/2004

115,76

Säumniszuschlag 2000

248,17

Säumniszuschlag 2001

839,42

Säumniszuschlag 2002

499,01

Säumniszuschlag 2004

496,34

Lohnsteuer 05/2004

2.118,57

Dienstgeberbeitrag 05/2004

1.495,02

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 05/2004

132,89

Lohnsteuer 06/2004

1.425,43

Dienstgeberbeitrag 06/2004

1.743,53

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 06/2004

154,98

Körperschaftsteuer 07-09/2004

437,00

Dienstgeberbeitrag 08/2004

1.369,75

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 08/2004

155,60

Säumniszuschlag 2004

64,93

Umsatzsteuer 08/2004

1.432,33

Lohnsteuer 09/2004

3.802,04

Dienstgeberbeitrag 09/2004

1.719,60

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 09/2004

152,85

Säumniszuschlag 2004

80,21

Körperschaftsteuer 10-12/2004

439,00

Dienstgeberbeitrag 10/2004

893,15

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 10/2004

150,23

Säumniszuschlag 2004

76,04

Lohnsteuer 12/2004

630,35

Dienstgeberbeitrag 12/2004

1.884,84

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 12/2004

167,54

Lohnsteuer 01-12/2004

11.619,18

Dienstgeberbeitrag 01-12/2004

2.765,23

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2004

401,29

Körperschaftsteuer 01-03/2005

437,00

Säumniszuschlag 2004

67,59

Lohnsteuer 03/2005

833,88

Dienstgeberbeitrag 03/2005

350,27

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 03/2005

31,13

Körperschaftsteuer 04-06/2005

437,00

Umsatzsteuer 03/2005

2.806,57

Lohnsteuer 04/2005

2.631,59

Dienstgeberbeitrag 04/2005

1.376,91

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 04/2005

122,39

Lohnsteuer 05/2005

1.815,27

Dienstgeberbeitrag 05/2005

1.622,10

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 05/2005

144,19

Im Übrigen wird die Berufung als unbegründet abgewiesen.

Entscheidungsgründe

Mit Beschluss des Handelsgerichtes Wien vom 3. Mai 2007 wurde der über das Vermögen der F-GmbH am 26. Jänner 2006 eröffnete Konkurs nach Verteilung lediglich an die Massegläubiger aufgehoben. Die Firma wurde daraufhin am 20. März 2009 wegen Vermögenslosigkeit im Firmenbuch gelöscht.

Mit Bescheid vom 28. Jänner 2010 wurde der Bw. gemäß § 9 Abs. 1 BAO iVm. § 80 BAO als ehemaliger Geschäftsführer der F-GmbH für Abgaben in der Höhe von € 78.840,51, nämlich

Abgabe

Betrag

Fälligkeit

Lohnsteuer 01-12/1999

3.304,51

17. 01. 2000

Dienstgeberbeitrag 01-12/1999

1.904,34

17. 01. 2000

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/1999

220,22

17. 01. 2000

Lohnsteuer 01-12/2000

124,73

15. 01. 2001

Lohnsteuer 01-12/2001

1.774,19

15. 01. 2002

Dienstgeberbeitrag 01-12/2001

38,14

15. 01. 2002

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2001

4,32

15. 01. 2002

Lohnsteuer 01-12/2002

2.995,78

15. 01. 2003

Dienstgeberbeitrag 01-12/2002

50,85

15. 01. 2003

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2002

4,97

15. 01. 2003

Umsatzsteuer 2002

0,03

17. 02. 2003

Lohnsteuer 11/2003

917,07

15. 12. 2003

Dienstgeberbeitrag 11/2003

1.835,75

15. 12. 2003

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 11/2003

171,34

15. 12. 2003

Dienstgeberbeitrag 12/2003

1.405,24

15. 01. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 12/2003

235,62

15. 01. 2004

Lohnsteuer 01-12/2003

7.127,78

15. 01. 2004

Dienstgeberbeitrag 01-12/2003

745,68

15. 01. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2003

69,58

15. 01. 2004

Umsatzsteuer 2003

20,00

15. 01. 2004

Säumniszuschlag 2003

85,96

16. 01. 2004

Körperschaftsteuer 01-03/2004

437,00

16. 02. 2004

Dienstgeberbeitrag 03/2004

193,40

15. 04. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 03/2004

32,85

15. 04. 2004

Säumniszuschlag 2004

115,42

19. 04. 2004

Säumniszuschlag 2004

50,49

19. 04. 2004

Säumniszuschlag 1999

496,34

17. 05. 2004

Körperschaftsteuer 04-06/2004

437,00

17. 05. 2004

Lohnsteuer 04/2004

2.437,09

17. 05. 2004

Dienstgeberbeitrag 04/2004

1.302,34

17. 05. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 04/2004

115,76

17. 05. 2004

Säumniszuschlag 2000

248,17

21. 05. 2004

Säumniszuschlag 2001

839,42

21. 05. 2004

Säumniszuschlag 2002

499,01

21. 05. 2004

Säumniszuschlag 2004

496,34

17. 06. 2004

Lohnsteuer 05/2004

2.118,57

15. 06. 2004

Dienstgeberbeitrag 05/2004

1.495,02

15. 06. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 05/2004

132,89

15. 06. 2004

Lohnsteuer 06/2004

1.425,43

15. 07. 2004

Dienstgeberbeitrag 06/2004

1.743,53

15. 07. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 06/2004

154,98

15. 07. 2004

Körperschaftsteuer 07-09/2004

437,00

16. 08. 2004

Dienstgeberbeitrag 08/2004

1.369,75

15. 09. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 08/2004

155,60

15. 09. 2004

Säumniszuschlag 2004

64,93

15. 09. 2004

Umsatzsteuer 08/2004

1.432,33

15. 10. 2004

Lohnsteuer 09/2004

3.802,04

15. 10. 2004

Dienstgeberbeitrag 09/2004

1.719,60

15. 10. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 09/2004

152,85

15. 10. 2004

Säumniszuschlag 2004

80,21

18. 10. 2004

Körperschaftsteuer 10-12/2004

439,00

15. 11. 2004

Dienstgeberbeitrag 10/2004

893,15

15. 11. 2004

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 10/2004

150,23

15. 11. 2004

Säumniszuschlag 2004

76,04

16. 12. 2004

Lohnsteuer 12/2004

630,35

17. 01. 2005

Dienstgeberbeitrag 12/2004

1.884,84

17. 01. 2005

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 12/2004

167,54

17. 01. 2005

Lohnsteuer 01-12/2004

11.619,18

17. 01. 2005

Dienstgeberbeitrag 01-12/2004

2.765,23

17. 01. 2005

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 01-12/2004

401,29

17. 01. 2005

Körperschaftsteuer 01-03/2005

437,00

15. 02. 2005

Säumniszuschlag 2004

67,59

21. 02. 2005

Lohnsteuer 03/2005

833,88

15. 04. 2005

Dienstgeberbeitrag 03/2005

350,27

15. 04. 2005

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 03/2005

31,13

15. 04. 2005

Körperschaftsteuer 04-06/2005

437,00

17. 05. 2005

Umsatzsteuer 03/2005

2.806,57

17. 05. 2005

Lohnsteuer 04/2005

2.631,59

17. 05. 2005

Dienstgeberbeitrag 04/2005

1.376,91

17. 05. 2005

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 04/2005

122,39

17. 05. 2005

Lohnsteuer 05/2005

1.815,27

15. 06. 2005

Dienstgeberbeitrag 05/2005

1.622,10

15. 06. 2005

Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag 05/2005

144,19

15. 06. 2005

Säumniszuschlag 2005

55,24

16. 01. 2006

Säumniszuschlag 2005

59,07

16. 01. 2006

zur Haftung herangezogen, da diese durch die schuldhafte Verletzung der ihm als Vertreter der Gesellschaft auferlegten Pflichten nicht hätten eingebracht werden können.

In der dagegen am 23. Februar 2010 rechtzeitig eingebrachten Berufung wandte der Bw. ein, dass die Feststellungen der Behörde nicht nachvollziehbar wären. So fänden sich etwa im Bereich der Lohnsteuer immer wieder einzelne Beträge und Fälligkeiten, in der Folge würden wieder einzelne Monate, in denen offenbar keine Rückstände bestünden, fehlen. Außerdem fänden sich einzelne Lohnsteuervoranmeldungszeiträume aus 2004 und in der Folge eine Position Lohnsteuer 01-12/2004. Die ausgewiesenen Beträge wären offenbar addiert worden, obwohl sie sich auf den selben Besteuerungstatbestand und die selbe Periode beziehen würden.

Der Haftungsbescheid weise auch Positionen aus, deren Fälligkeit erst im Jahr 2006, also nach Beendigung der Tätigkeit des Bw. eingetreten wäre, weshalb eine Haftung für diese Beträge nicht gegeben wäre.

Weiters weise die Aufstellung immer wieder Körperschaftsteuerbeträge aus, für die der Bw. jedenfalls nicht hafte.

Darüber hinaus wäre festzustellen, dass eine Vielzahl der ausgewiesenen Positionen vor deutlich mehr als fünf Jahren festgesetzt worden wäre. Es wäre davon auszugehen, dass diese Positionen bereits verjährt wären. Zumindest finde sich keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass hinsichtlich einiger oder aller Posten die Verjährung gehemmt gewesen oder unterbrochen worden wäre.

Ferner wäre festzuhalten, dass in der Auflistung Umsatzsteuerbeträge enthalten wären. Dies wäre jedoch praktisch nicht möglich, da die Primärschuldnerin für das Jahr 2003 ein Umsatzsteuerguthaben von € 52.482,14, für 2004 eines in Höhe von € 44.584,92 und für das Rumpfjahr 2005 eines in Höhe von € 6.894,24 ausgewiesen hätte.

Aus den obigen Ausführungen ergebe sich, dass im Zeitraum 2003 bis 2005 alleine durch Guthaben eine Steuerleistung in Höhe von über € 100.000,00 erbracht worden wäre. Weiters wären beispielsweise im Jahr 2003 Abgabenzahlungen von ca. € 92.000,00 und 2004 von ca. € 55.000,00 geleistet worden.

Für den Bw. wäre daher nicht nachvollziehbar, wie die dargestellten Rückstände zustande gekommen sein sollten. Es liege die Vermutung nahe, dass die Gebarung der Gesellschaft im Zeitraum zwischen dem Ausscheiden des Bw. und dem Insolvenzverfahren tatsächlich zu den Rückständen geführt hätte.

Mit Berufungsvorentscheidung vom 31. Mai 2010 wurde die Berufung "als unbegründet abgewiesen" und die Haftungsschuld um die Positionen Säumniszuschläge 2005 von € 55,24 und € 59,07, die erst am 16. Jänner 2006 fällig gewesen wären, auf € 78.726,20 eingeschränkt, da der Bw. nur bis 30. Juni 2005 Geschäftsführer der GmbH gewesen wäre.

Weiters führte das Finanzamt lediglich die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zum Nachweis der Gläubigergleichbehandlung bzw. die gesetzlichen Bestimmungen zur Einhebungsverjährung an, ohne auf den konkreten Fall näher einzugehen.

Fristgerecht beantragte der Bw. mit Schreiben vom 8. Juni 2010 die Vorlage der Berufung zur Entscheidung durch die Abgabenbehörde zweiter Instanz.

Mit Schreiben des Unabhängigen Finanzsenates vom 18. Oktober 2010 bzw. nach Fristverlängerungsantrag vom 11. November 2010 erneut am 19. Jänner 2011 wurde der Bw. um Beibringung eines Liquiditätsstatus ersucht. Diese Vorhalte blieben jedoch unbeantwortet.

Über die Berufung wurde erwogen:

Gemäß § 238 Abs. 1 BAO verjährt das Recht, eine fällige Abgabe einzuheben und zwangsweise einzubringen, binnen fünf Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in welchem die Abgabe fällig geworden ist, keinesfalls jedoch früher als das Recht zur Festsetzung der Abgabe.

Gemäß § 238 Abs. 2 BAO wird die Verjährung fälliger Abgaben durch jede zur Durchsetzung des Anspruches unternommene, nach außen erkennbare Amtshandlung, wie durch Mahnung, durch Vollstreckungsmaßnahmen, durch Bewilligung einer Zahlungserleichterung oder durch Erlassung eines Bescheides gemäß §§ 201 und 202 leg.cit. unterbrochen. Mit Ablauf des Jahres, in welchem die Unterbrechung eingetreten ist, beginnt die Verjährungsfrist neu zu laufen.

Hinsichtlich des Einwandes des Bw., dass die haftungsgegenständlichen Abgaben gemäß § 238 BAO verjährt wären, wird auf die Bestimmung des § 238 Abs. 1 BAO verwiesen, wonach die Einhebungsverjährung nicht früher eintreten kann als das Recht auf Festsetzung der Abgabe. Da die Lohnabgaben 1999 bis 2004 mit den ältesten Fälligkeiten (ab 17. Jänner 2000) mit Abgaben- und Haftungsbescheiden vom 9. Februar 2006 bescheidmäßig festgesetzt wurden, konnte daher das Recht auf Einhebung zu diesem Zeitpunkt trotz des Überschreitens der Fünfjahresfrist noch nicht verjährt sein. Da diese Festsetzungen Unterbrechungshandlungen gemäß § 238 Abs. 2 BAO darstellten, die die fünfjährige Einhebungsverjährungsfrist jeweils neu in Gang setzten, würde die Einhebungsverjährung ohne weitere Maßnahmen erst am 31. Dezember 2011 verjähren.

Durch die Anmeldung im Konkurs wird gemäß § 9 Abs. 1 KO die Verjährung der angemeldeten Forderung unterbrochen. Die Verjährung der Forderung gegen den Gemeinschuldner beginnt von neuem mit dem Ablauf des Tages, an dem der Beschluss über die Aufhebung des Konkurses rechtskräftig geworden ist.

Darüber hinaus war auch auf Grund des vom 26. Jänner 2006 bis 3. Mai 2007 anhängigen Konkursverfahrens, bei dem alle haftungsgegenständlichen Forderungen angemeldet waren, die Verjährung gemäß § 9 Abs. 1 KO unterbrochen.

Schließlich unterbrach dann der Haftungsbescheid vom 28. Jänner 2010 selbst die Einhebungsverjährung erneut, sodass diese frühestens erst am 31. Dezember 2015 eintreten könnte.

Daraus erhellt, dass eine Verjährung der Einhebung zufolge der regelmäßigen Unterbrechungshandlungen gemäß § 238 Abs. 2 BAO und der Bestimmung des § 238 Abs. 1 BAO nicht eingetreten ist.

Gemäß § 9 Abs. 1 BAO haften die in den §§ 80 ff BAO bezeichneten Vertreter neben den durch sie vertretenen Abgabepflichtigen für die diese treffenden Abgaben insoweit, als die Abgaben infolge schuldhafter Verletzung der den Vertretern auferlegten Pflichten nicht eingebracht werden können.

Persönliche Haftungen erstrecken sich gemäß § 7 Abs. 2 BAO auch auf Nebenansprüche im Sinne des § 3 Abs. 1 und 2 BAO . Zu diesen Nebenansprüchen gehören gemäß § 3 Abs. 2 lit. d BAO insbesondere die Nebengebühren der Abgaben, wie die Stundungs- und Aussetzungszinsen, der Säumniszuschlag und die Kosten (Gebühren und Auslagenersätze) des Vollstreckungs- und Sicherungsverfahrens, worunter gemäß § 26 AbgEO insbesondere Pfändungsgebühren und die durch die Vollstreckungsmaßnahmen verursachten Barauslagen (somit auch Postgebühren) fallen.

Gemäß § 80 Abs. 1 BAO haben die zur Vertretung juristischer Personen berufenen Personen alle Pflichten zu erfüllen, die den von ihnen Vertretenen obliegen. Sie haben insbesondere dafür zu sorgen, dass die Abgaben aus den Mitteln, die sie verwalten, entrichtet werden.

Unbestritten ist, dass dem Bw. als ehemaligem Geschäftsführer der F-GmbH im Zeitraum zwischen 20. März 1990 und 30. Juni 2005 die Erfüllung der abgabenrechtlichen Pflichten der Gesellschaft oblag. Insbesondere ist im Rahmen dieser Verpflichtung für die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Abgaben Sorge zu tragen.

Die Haftung nach § 9 Abs. 1 BAO ist eine Ausfallshaftung (VwGH 24.2.1997, 96/17/0066). Voraussetzung ist die objektive Uneinbringlichkeit der betreffenden Abgaben im Zeitpunkt der Inanspruchnahme des Haftenden (VwGH 3.7.1996, 96/13/0025). Uneinbringlichkeit liegt vor, wenn Vollstreckungsmaßnahmen erfolglos waren oder voraussichtlich erfolglos wären (VwGH 26.5.2004, 99/14/0218).

Im gegenständlichen Fall steht die Uneinbringlichkeit fest, da mit Beschluss des Handelsgerichtes Wien vom 3. Mai 2007 der über das Vermögen der F-GmbH am 26. Jänner 2006 eröffnete Konkurs nach Verteilung lediglich an die Massegläubiger aufgehoben und die Firma daraufhin am 20. März 2009 wegen Vermögenslosigkeit im Firmenbuch gelöscht wurde.

Aus dem Einwand des Bw. hinsichtlich der Lohnsteuerbeträge für das Jahr 2004 lässt sich nichts gewinnen, da die Lohnabgaben für die einzelnen monatlichen Voranmeldungszeiträume selbst gemeldet und zum Teil oder zur Gänze (je nach Höhe) mit den zugleich gemeldeten Umsatzsteuergutschriften gegenverrechnet und damit entrichtet wurden. Die für den Zeitraum 01-12/2004 am 9. Februar 2006 festgesetzten Lohnabgaben sind entgegen der Ansicht des Bw. nicht aus der Addition der Beträge aus den Voranmeldungszeiträumen entstanden, sondern ergaben sich auf Grund der Feststellungen der Lohnsteuerprüfung aus Fehlberechnungen und Abfuhrdifferenzen zusätzlich zu den bereits gemeldeten, aber nur zum Teil entrichteten Abgaben.

Dazu wird auch darauf hingewiesen, dass ein etwaiger Einwand, dass diese Nachforderungen erst nach Eröffnung des Konkursverfahrens bzw. sogar nach Niederlegung der Geschäftsführertätigkeit festgesetzt worden wären, ins Leere ginge, weil sich der Zeitpunkt, für den zu beurteilen ist, ob der Vertretene die für die Abgabenentrichtung erforderlichen Mittel hatte, danach bestimmt, wann die Abgaben bei Beachtung der abgabenrechtlichen Vorschriften zu entrichten gewesen wären (VwGH 28.9.1998, 98/16/0018). Bei Selbstbemessungsabgaben ist nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes maßgebend, wann die Abgaben bei ordnungsgemäßer Selbstberechnung abzuführen gewesen wären (VwGH 17.8.1998, 98/17/0038); maßgebend ist daher ausschließlich der Zeitpunkt ihrer Fälligkeit (VwGH 25.10.1996, 93/17/0280). Da durch die Nachforderung jedoch keine neue Fälligkeit begründet wird, waren die Lohnabgaben 01-12/2004 bereits laufend vom 15. Februar 2004 bis spätestens 17. Jänner 2005 fällig.

Hinsichtlich der beiden Säumniszuschläge 2005 im Betrag von € 55,24 und € 59,07, die erst am 16. Jänner 2006, daher nach Ausscheidens des Bw. als Geschäftsführer der Gesellschaft, fällig wurden, war seinem Einwand zu folgen und diese aus der Haftung zu nehmen.

Der nach Abgabenvorschriften Haftungspflichtige kann gemäß § 248 BAO unbeschadet der Einbringung einer Berufung gegen seine Heranziehung zur Haftung innerhalb der für die Einbringung der Berufung gegen den Haftungsbescheid offenstehenden Frist auch gegen den Bescheid über den Abgabenanspruch berufen.

Hingegen kam dem Vorbringen betreffend Körperschaftsteuervorauszahlungen für 2004 und 2005 keine Berechtigung zu, weil diese bescheidmäßig festgesetzt wurden und Einwendungen gegen den Abgabenanspruch nicht mit Erfolg im Haftungsverfahren vorgebracht werden können, sondern ausschließlich im Berufungsverfahren gemäß § 248 BAO betreffend Bescheide über den Abgabenanspruch, zumal nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes auch die nach § 9 BAO erforderliche Verschuldensprüfung von der objektiven Richtigkeit der Abgabenfestsetzung auszugehen hat (VwGH 27.2.2008, 2005/13/0094). Darüber hinaus wurde vom Bw. lediglich die Behauptung aufgestellt, dass er für diese Beträge nicht haften könne, ohne überhaupt eine Begründung dazu zu liefern.

Aus dem Einwand des Bw., dass die in Höhe von € 1.432,33 sowie € 2.806,57 aushaftenden Umsatzsteuern 08/2004 bzw. 03/2005 nicht geschuldet werden könnten, da in diesen Jahren Umsatzsteuergutschriften von € 44.584,92 bzw. € 6.894,24 erwirtschaftet worden wären, lässt sich hingegen nichts gewinnen, weil mit Bescheiden vom 1. August 2006 (Umsatzsteuer 2004 mit einer Gutschrift von € 32.581,56 festgesetzt) sowie 16. November 2006 (Umsatzsteuer 2005 mit einer Gutschrift von € 18.616,03 festgesetzt) die davor selbst gemeldeten Umsatzsteuervorauszahlungen bzw. Gutschriften bestätigt wurden, weshalb eine Anfechtung wiederum nur im Rahmen des § 248 BAO in Betracht gekommen wäre.

Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist es Sache des Geschäftsführers, die Gründe darzulegen, die ihn ohne sein Verschulden daran gehindert haben, die ihm obliegenden abgabenrechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen (VwGH 18.10.1995, 91/13/0037, 0038). Er hat also darzutun, weshalb er nicht dafür Sorge tragen konnte, dass die Gesellschaft die anfallenden Abgaben rechtzeitig entrichtet hat, andernfalls von der Abgabenbehörde eine schuldhafte Pflichtverletzung angenommen werden darf (vgl. VwGH 9.7.1997, 94/13/0281).

Wird eine Abgabe nicht entrichtet, weil der Vertretene überhaupt keine liquiden Mittel hat, so verletzt der Vertreter dadurch keine abgabenrechtliche Pflicht (VwGH 20.9.1996, 94/17/0420).

Der Geschäftsführer haftet für nicht entrichtete Abgaben der Gesellschaft auch dann, wenn die Mittel, die ihm für die Entrichtung aller Verbindlichkeiten zur Verfügung gestanden sind, hierzu nicht ausreichen; es sei denn, er weist nach, dass er diese Mittel anteilig für die Begleichung aller Verbindlichkeiten verwendet, die Abgabenschulden daher im Verhältnis nicht schlechter behandelt hat als andere Verbindlichkeiten (VwGH 15.5.1997, 96/15/0003).

Im gegenständlichen Fall bringt der Bw. jedoch keine triftigen Gründe, aus denen ihm die Erfüllung seiner abgabenrechtlichen Pflichten unmöglich gewesen wäre, vor. Insbesondere wurde nicht behauptet, dass dem Bw. keine Mittel zur Entrichtung der haftungsgegenständlichen Abgaben zur Verfügung gestanden wären.

Am Bw., dem als Geschäftsführer der Primärschuldnerin ausreichend Einblick in die Gebarung zustand, wäre es gelegen gewesen, das Ausmaß der quantitativen Unzulänglichkeit der in den Fälligkeitszeitpunkten der Abgaben zur Verfügung stehenden Mittel nachzuweisen (VwGH 19.11.1998, 97/15/0115), da nicht die Abgabenbehörde das Ausreichen der Mittel zur Abgabenentrichtung nachzuweisen hat, sondern der zur Haftung herangezogene Geschäftsführer das Fehlen ausreichender Mittel (VwGH 23.4.1998, 95/15/0145).

Weist der Haftungspflichtige nach, welcher Betrag bei anteilsmäßiger Befriedigung der Forderungen an die Abgabenbehörde abzuführen gewesen wäre, dann haftet er nur für die Differenz zwischen diesem und dem tatsächlich bezahlten Betrag. Tritt der Vertreter diesen Nachweis nicht an, dann kann ihm die uneinbringliche Abgabe zur Gänze vorgeschrieben werden (VwGH 28.9.2004, 2001/14/0176).

Den im Rahmen der besonderen Behauptungs- und Konkretisierungspflicht zur Feststellung des für die aliquote Erfüllung der Abgabenschuld zur Verfügung stehenden Teiles vom Gesamtbetrag der liquiden Mittel geforderte Liquiditätsstatus - in Form einer Gegenüberstellung von liquiden Mitteln und Verbindlichkeiten zum jeweiligen Fälligkeitstag der haftungsgegenständlichen Abgaben, wobei es auf die Abgabenverbindlichkeiten einerseits und die Summe der übrigen Verbindlichkeiten andererseits ankommt - hat der Bw. jedoch trotz mehrmaliger Ersuchen nicht aufgestellt.

Im Hinblick auf die unterlassene Behauptung und Konkretisierung des Ausmaßes der Unzulänglichkeit der in den Fälligkeitszeitpunkten zur Verfügung gestandenen Mittel zur Erfüllung der vollen Abgabenverbindlichkeiten kommt eine Beschränkung der Haftung der Bw. bloß auf einen Teil der von der Haftung betroffenen Abgabenschulden nicht in Betracht (VwGH 21.1.1991, 90/15/0055).

Für aushaftende Abfuhrabgaben wie die Lohnsteuer gelten aber ohnedies Ausnahmen vom Gleichheitsgrundsatz (VwGH 15.5.1997, 96/15/0003; 29.1.2004, 2000/15/0168), da nach § 78 Abs. 3 EStG der Arbeitgeber, wenn die zur Verfügung stehenden Mittel nicht zur Zahlung des vollen vereinbarten Arbeitslohnes ausreichen, die Lohnsteuer von dem tatsächlich zur Auszahlung gelangenden niedrigeren Betrag zu berechnen und einzubehalten hat.

Infolge der schuldhaften Pflichtverletzung durch den Bw. konnte die Abgabenbehörde nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH 17.5.2004, 2003/17/0134), auch davon ausgehen, dass die Pflichtverletzung Ursache für die Uneinbringlichkeit der haftungsgegenständlichen Abgaben war.

Die im Rahmen des § 224 BAO zu treffende Ermessensentscheidung iSd § 20 BAO ist innerhalb der vom Gesetzgeber gezogenen Grenze nach Billigkeit und Zweckmäßigkeit unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände zu treffen. Wesentliches Ermessenskriterium ist die Vermeidung eines endgültigen Abgabenausfalles. Aus dem auf die Hereinbringung der Abgabenschuld beim Haftenden gerichteten Besicherungszweck der Haftungsnorm folgt, dass die Geltendmachung der Haftung in der Regel ermessenskonform ist, wenn die betreffende Abgabe beim Primärschuldner uneinbringlich ist (VwGH 25.6.1990, 89/15/0067).

Auf Grund des Vorliegens der gesetzlichen Voraussetzungen des § 9 Abs. 1 BAO erfolgte somit die Inanspruchnahme des Bw. als Haftungspflichtiger für die im Spruch genannten Abgabenschuldigkeiten der F-GmbH im Ausmaß von nunmehr € 78.724,20 zu Recht.

Es war daher spruchgemäß zu entscheiden.

Wien, am 10. Februar 2011