Kommentierte EntscheidungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent) des UFSG vom 27.05.2011, RV/0747-G/10

Keine Berücksichtigung von Wartezeiten sowie von Fahrzeiten im Wohnort bzw. im Studienort bei Ermittlung der für die Gewährung des Pauschbetrages für die auswärtige Berufsausbildung eines Kindes maßgeblichen Fahrzeit

Beachte
  • VfGH-Beschwerde zur Zl. B 859/11 eingebracht. Mit Beschluss vom 20.9.2011 abgelehnt und dem VwGH zur Entscheidung abgetreten.VwGH-Beschwerde zur Zl. 2011/15/0168 eingebracht. Mit Erk. v. 26.1.2012 als unbegründet abgewiesen.

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Stammrechtssätze

RV/0747-G/10-RS1 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
Für die Beurteilung, ob eine tägliche Hin- und Rückfahrt zwischen Wohn- und Studienort zumutbar ist, ist die Fahrzeit zwischen jenen Punkten der jeweiligen Gemeinden heranzuziehen, an denen die Fahrt mit dem jeweiligen öffentlichen Verkehrsmittel üblicherweise angetreten bzw. beendet wird. Die Berücksichtigung von Wegstrecken innerhalb des Wohnortes (bzw. des Studienortes) kann dem § 2 der zu § 34 Abs. 8 EStG 1988 erlassenen Verordnung nicht entnommen werden (zB Wanke, UFSjournal 2008, 38; Jakom/Baldauf EStG, 2011, § 34 Rz 79; VwGH vom 27.8.2008, 2006/15/0114).

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.

Folgerechtssätze

RV/0747-G/10-RS2 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
wie RV/1239-W/06-RS10
Mit Erkenntnis vom 27.8.2008, 2006/15/0114 hat der VwGH Lehre, Verwaltungspraxis und Spruchpraxis des UFS bestätigt, wonach für die Frage des Vorliegens einer auswärtigen Berufsausbildung im Geltungsbereich der Verordnung betreffend eine auswärtige Berufsausbildung eines Kindes BGBl. Nr. 624/1995 die maßgebende Wegzeit an hand der Fahrzeiten zwischen den zentralen Bahnhöfen bzw. Haltestellen der Wohnsitzgemeinde und der Ausbildungsgemeinde (§ 2 Abs. 1 der Verordnung) zu ermitteln ist, wobei bei Katastralgemeinden auf die jeweilige Ortsgemeinde (und deren zentralen Bahnhof bzw. Haltestelle) abzustellen ist.

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, Einzugsbereich, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.
RV/0747-G/10-RS3 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
wie RV/0617-G/06-RS1
Bei Ermittlung der für die Anerkennung des Pauschalbetrages gemäß § 34 Abs. 8 EStG maßgeblichen Fahrzeit ist auf die örtlichen Verkehrsverbindungen nicht Bedacht zu nehmen. Fahrten im Wohnort oder im Studienort sind daher nicht einzurechnen (VwGH vom 16.6.1986, 85/12/0247).

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, Einzugsbereich, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.
RV/0747-G/10-RS4 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
wie RV/0160-S/05-RS2
Da bei der Prüfung, ob die günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel die Strecke zwischen dem Wohnort und dem Ausbildungsort und zurück unter einer Stunde zurücklegen, die Grundsätze des § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305 anzuwenden sind (siehe Verordnung BGBl II 449/2001), gelten daher als Punkte von denen die Berechnung der Fahrzeit zu erfolgen haben, der Bahnhof am Wohnort und der Bahnhof am Ausbildungsort.

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, Einzugsbereich, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.
RV/0747-G/10-RS5 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
wie RV/1604-W/04-RS1
Da die Verordnung BGBl. 624/1995 i.d.F. BGBl. II 449/2001 hinsichtlich der Nach­weisführung einer eine Stunde übersteigenden Wegzeit auf die jeweilige Gemeinde (den Wohnort bzw. den Ausbildungsort) und nicht auf die Wohnung bzw. die Aus­bildungsstätte (und die Entfernung von Ein- und Ausstiegstellen öffentlicher Ver­kehrsmittel von diesen) abstellt, ist somit nicht die tatsächliche Gesamtfahrzeit maß­gebend, sondern die tatsächliche Fahrzeit zwischen diesen beiden Gemeinden. Hierbei ist die Fahrzeit zwischen jenen Punkten der jeweiligen Gemeinden heranzu­ziehen, an denen üblicherweise die Fahrt zwischen diesen Gemeinden mit dem je­weiligen öffentlichen Verkehrsmittel angetreten bzw. beendet wird.

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, Einzugsbereich, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.
RV/0747-G/10-RS6 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
wie RV/0114-G/04-RS1
Liegt ein Studienort innerhalb einer Entfernung von 80 km zum Wohnort und handelt es sich beim Wohnort nicht um eine sogenannte Verordnungsgemeinde, dann ist die Frage, ob der Studienort noch als innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes gelegen gilt, gemäß § 2 Abs. 1 der Verordnung BGBl. Nr. 624/1995 zu beurteilen. Nach der anzuwendenden Fassung BGBl. II Nr. 449/2001 dieser Verordnung sind für die Ermittlung der Fahrzeit die Grundsätze des § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305, anzuwenden. Das bedeutet, dass zwar Wartezeiten, die beim Umsteigen außerhalb des Heimat- oder Studienortes (regelmäßig) anfallen, zu berücksichtigen sind, nicht aber die Zeiten zwischen Ankunft im Ausbildungsort und Ausbildungsbeginn sowie zwischen Ausbildungsende und Abfahrt des Verkehrsmittels, ebenso nicht andere Wartezeiten, Fußwege sowie Fahrten im Heimatort oder im Studienort (vgl. auch RV/0334-I/03-RS1)

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, Einzugsbereich, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.
RV/0747-G/10-RS7 Permalink Rechtssatzkette anzeigen
wie RV/4223-W/02-RS4
Da die Verordnung BGBl. 624/1995 i.d.F. BGBl. II Nr. 449/2001 hinsichtlich der Nachweisführung einer eine Stunde übersteigenden Wegzeit auf die jeweilige Gemeinde (den Wohnort bzw. den Ausbildungsort) und nicht auf die Wohnung bzw. die Ausbildungsstätte (und die Entfernung von Ein- und Ausstieggstellen öffentlicher Verkehrsmittel von diesen) abstellt, ist somit nicht die tatsächliche Gesamtfahrzeit maßgebend, sondern die tatsächliche Fahrzeit zwischen diesen beiden Gemeinden. Hierbei ist die Fahrzeit zwischen jenen Punkten der jeweiligen Gemeinden heranzuziehen, an denen üblicherweise die Fahrt zwischen diesen Gemeinden mit dem jeweiligen öffentlichen Verkehrsmittel angetreten bzw. beendet wird.

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betroffene Normen:
Schlagworte:
Auswärtige Berufsausbildung eines Kindes, Wegstrecke, zumutbare Fahrzeit, Einzugsbereich, tägliche Hin- und Rückfahrt, Wohnort, Studienort.

Entscheidungstext

Der Unabhängige Finanzsenat hat über die Berufung der Dr. Bw., vom 26. September 2010 gegen den Bescheid des Finanzamtes Graz-Stadt vom 31. August 2010 betreffend Einkommensteuer 2009 entschieden:

Der Berufung wird teilweise Folge gegeben.

Die Einkommensteuer 2009 wird festgesetzt mit € 653,23 (bisher lt. angefochtenem Bescheid: € 741,23).

Die Berechnung der Abgabe ist dem als Beilage angeschlossenen Berechnungsblatt zu entnehmen; dieses bildet einen Bestandteil des Bescheidspruches.

Entscheidungsgründe

(1) Die Berufungswerberin (Bw.) begehrte in der Beilage L1k zu ihrer Einkommensteuererklärung für 2009 für ihre beiden (haushaltszugehörigen) Töchter (geb. 1991 bzw. 1994) jeweils einen Kinderfreibetrag iHv. € 132,--. Des Weiteren machte sie für die ältere der beiden Töchter unter dem Titel der außergewöhnlichen Belastungen den Pauschalbetrag für auswärtige Berufsausbildung (für die Monate Oktober bis Dezember) geltend (Studienort: Leoben). In einer Beilage zu den Abgabenerklärungen führte die Bw. ergänzend aus, die Fahrzeit zwischen dem Wohnort Graz - St. Peter nach Leoben - Hauptbahnhof betrage mit öffentlichen Verkehrsmitteln im günstigsten Fall zwischen 1 Stunde 19 Minuten und 1 Stunde 27 Minuten. Eine tägliche Hin- und Rückfahrt sei daher nicht mehr zumutbar.

(2) Im angefochtenen Bescheid wurde der Pauschbetrag für auswärtige Berufsausbildung vom Finanzamt mit folgender Begründung nicht gewährt: "Ausbildungsstätten innerhalb einer Entfernung von 80 km gelten als im Einzugsbereich des Wohnortes gelegen, wenn die Fahrzeit vom Wohnort zum Studienort nicht mehr als eine Stunde beträgt. Dabei sind die Fahrzeiten der innerstädtischen Verkehrsmittel nicht zu berücksichtigen."

Die Kinderfreibeträge wurden im berufungsgegenständlichen Bescheid in der (zunächst) beantragten Höhe zuerkannt.

(3) Die gegen diesen Bescheid erhobene Berufung wird wie folgt begründet:

"1. Gemäß § 6 der Verordnung über die Erreichbarkeit von Studienorten nach dem Studienförderungsgesetz 1992 ist die tägliche Hin- und Rückfahrt zum und vom Studienort Leoben von der Gemeinde Graz zumutbar. Nach § 2 dieser Verordnung ist hingegen die tägliche Hin- und Rückfahrt zum und vom Studienort Graz von der Gemeinde Leoben nicht (!) zumutbar, weil diese Gemeinde in der Verordnung nicht genannt wird. Trotz Nennung einer Gemeinde in der Verordnung gilt die tägliche Fahrt von dieser Gemeinde an den Studienort als nicht zumutbar, wenn nachgewiesen wird, dass von dieser Gemeinde die tägliche Fahrzeit zum und vom Studienort unter Benützung der günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel mehr als je eine Stunde beträgt (§ 34 der Änderung der Verordnung über die Erreichbarkeit von Studienorten nach dem Studienförderungsgesetz 1992, BGBl. II Nr. 448/2008). Wenn nun bei der nachzuweisenden Fahrzeit vom Wohnort zum Studienort, wie im angefochtenen Bescheid angeführt, auch die individuellen Fahrzeiten der innerstädtischen Verkehrsmittel, ganz abgesehen von den immer wieder anfallenden Wartezeiten und den von vorneherein einzukalkulierenden Zeitreserven infolge mindestens zweimaligen Umsteigens meiner Tochter pro Fahrt, welche in der Steuererklärung ohnehin nicht ins Treffen geführt wurden, nicht zu berücksichtigen sind, dann ist die Verordnung über die Erreichbarkeit von Studienorten nach dem Studienförderungsgesetz 1992 idgF in Bezug auf die Studienorte Graz und Leoben nicht nachvollziehbar und gleichheitswidrig. Einerseits wird normiert, dass die tägliche Fahrt von der Gemeinde Leoben, mangels Nennung in der Verordnung, zum Studienort Graz nicht zumutbar ist, andrerseits soll die tägliche Fahrt von der Gemeinde Graz zum Studienort Leoben zumutbar sein. Dies widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz; eine sachliche Rechtfertigung ist nicht ersichtlich, insbesondere, wenn auch der Nachweis der tatsächlich innerhalb des Gemeindegebietes Graz zum Hauptbahnhof zu bewältigenden Fahrstrecke unerheblich sein soll.

2. Im Hinblick darauf; dass mein Ehegatte DI AR, ..... den Kinderfreibetrag ..... für das Kalenderjahr 2009 nicht in Anspruch nahm, ersuche ich bei mir anstelle des Betrages von € 132,-- den Betrag von € 220,-- pro Kind zu berücksichtigen."

(4) Das Finanzamt führte auf der Website des regionalen Verkehrsverbundunternehmens eine Abfrage der Verbindungen zwischen Graz - Hauptbahnhof und Leoben - Hauptbahnhof durch (Computerausdruck vom 3. November 2010). Diese ergab für den weitaus überwiegenden Teil der (zahlreichen) Verbindungen eine Fahrzeit von weniger als eine Stunde (nämlich zwischen 44 und 57 Minuten).

(5) Das Finanzamt legte die Berufung sogleich - also ohne vorherige Erlassung einer Berufungsvorentscheidung - dem UFS zur Entscheidung vor. Im Vorlagebericht wurde unter Hinweis auf die LStR ausgeführt, dass bei einer Fahrzeit des öffentlichen Verkehrsmittels von weniger als einer Stunde zwischen Wohnort und Studienort der Ausbildungsort innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes liege. Auf die örtlichen Verkehrsverbindungen sei dabei nicht Bedacht zu nehmen. Bezüglich der Kinderfreibeträge wurde dargelegt, dass diese jeweils in (nunmehr begehrter) Höhe von € 220,-- berücksichtigt werden könnten, da der Gatte keinen Kinderfreibetrag beantragt habe.

(6) Eine Fahrplanabfrage des Referenten des UFS am 27. Mai 2011 hat ergeben, dass nahezu sämtliche öffentliche Verbindungen zwischen den Hauptbahnhöfen in Graz und Leoben tatsächlich Fahrzeiten von jeweils weniger als einer Stunde aufweisen.

Über die Berufung wurde erwogen:

Strittig ist vor dem UFS allein die Frage, ob der Tochter der Bw. im Streitjahr die tägliche Hin- und Rückfahrt zwischen dem Wohnort Graz und dem Studienort Leoben im Sinne der für die Gewährung des Pauschbetrages für die auswärtige Berufsausbildung eines Kindes maßgeblichen Bestimmungen zumutbar war oder nicht. Außer Streit steht, dass der Studienort Leoben weniger als 80 km vom Wohnort entfernt liegt. Die Bw. moniert jedoch zum Einen, dass Fahrzeiten der innerstädtischen Verkehrsmittel bei Berechnung der Fahrzeiten nicht berücksichtigt werden, sowie zum Anderen, dass die Verordnung über die Erreichbarkeit von Studienorten nach dem Studienförderungsgesetz 1992 (in der hier maßgeblichen Fassung) "nicht nachvollziehbar und gleichheitswidrig" sei.

Gemäß § 34 Abs. 8 EStG 1988 gelten Aufwendungen für eine Berufsausbildung eines Kindes außerhalb des Wohnortes dann als außergewöhnliche Belastung, wenn im Einzugsbereich des Wohnortes keine entsprechende Ausbildungsmöglichkeit besteht. Diese außergewöhnliche Belastung wird durch Abzug eines Pauschbetrages von € 110,-- pro Monat der Berufsausbildung berücksichtigt.

Nach § 1 der zu dieser Bestimmung erlassenen Verordnung des Bundesministers für Finanzen betreffend eine Berufsausbildung eines Kindes außerhalb des Wohnortes (BGBl. Nr. 624/1995) liegen Ausbildungsstätten, die vom Wohnort mehr als 80 km entfernt sind, nicht innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes. Nach dem ab 1. Jänner 2002 anzuwendenden § 2 dieser Verordnung (in der Fassung BGBl. II 2001/449) gelten Ausbildungsstätten innerhalb einer Entfernung von 80 km zum Wohnort dann als nicht innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes gelegen, wenn die Fahrzeit vom Wohnort zum Ausbildungsort und vom Ausbildungsort zum Wohnort mehr als je eine Stunde unter Benützung des günstigsten öffentlichen Verkehrsmittels beträgt. Dabei sind die Grundsätze des § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305, anzuwenden. Nach dem zweiten Absatz dieses Paragraphen gelten Ausbildungsstätten innerhalb einer Entfernung von 80 km zum Wohnort als innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes gelegen, wenn von diesen Gemeinden die tägliche Hin- und Rückfahrt zum und vom Studienort nach den Verordnungen gemäß § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305, zeitlich noch zumutbar sind. Abweichend davon kann nachgewiesen werden, dass von einer Gemeinde die tägliche Fahrzeit zum und vom Studienort unter Benützung der günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel mehr als je eine Stunde beträgt. Dabei sind die Grundsätze des § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305, anzuwenden. In diesem Fall gilt die tägliche Fahrt von dieser Gemeinde an den Studienort trotz Nennung in einer Verordnung gemäß § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305, in der jeweils geltenden Fassung als nicht mehr zumutbar.

Die Verordnung BGBl. Nr. 624/1995 verweist zur Ermittlung der Fahrzeit auf die Grundsätze des § 26 Abs. 3 des Studienförderungsgesetzes 1992, BGBl. Nr. 305. Diese Bestimmung lautet: "(3) Von welchen Gemeinden diese tägliche Hin- und Rückfahrt zeitlich noch zumutbar ist, hat der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Kultur durch Verordnung festzulegen. Eine Fahrzeit von mehr als je einer Stunde zum und vom Studienort unter Benützung der günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel ist keinesfalls mehr zumutbar."

Die Verordnung des Bundesministers für Wissenschaft und Forschung über die Erreichbarkeit von Studienorten nach dem Studienförderungsgesetz 1992, BGBl. Nr. 605/1993, führt in § 6 jene Gemeinden, darunter auch die Stadt Graz, an, von denen die tägliche Hin- und Rückfahrt zum und vom Studienort Leoben zeitlich noch zumutbar ist. § 2 dieser Verordnung betrifft den Studienort Graz und führt jene Gemeinden an, von welchen die tägliche Hin- und Rückfahrt zum und vom Studienort Graz zeitlich zumutbar ist. Leoben ist in dieser Aufzählung nicht enthalten.

§ 34 der Verordnung idgF lautet: "Wenn in einem Verfahren über die Zuerkennung von Studienbeihilfe nachgewiesen wird, dass von einer Gemeinde die tägliche Fahrzeit zum und vom Studienort durch Benützung der günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel mehr als je eine Stunde beträgt, so gilt die tägliche Fahrt von dieser Gemeinde an den Studienort trotz Nennung in der Verordnung als nicht zumutbar."

Diese Bestimmung entspricht dem § 2 Abs. 2 der Verordnung des Bundesministers für Finanzen betreffend eine Berufsausbildung eines Kindes außerhalb des Wohnortes, BGBl. Nr. 624/1995, idF BGBl. II Nr. 449/2001. In der nunmehrigen Fassung des § 2 dieser Verordnung wird zur Ermittlung der Fahrzeit nur mehr auf die Grundsätze des § 26 Abs. 3 Studienförderungsgesetz 1992 verwiesen. Diese Bestimmung enthält für Zwecke der Gewährung der Studienbeihilfe die Regelung, dass eine Fahrzeit von mehr als je einer Stunde zum und vom Studienort unter Benützung der günstigsten öffentlichen Verkehrsmittel keineswegs mehr zumutbar ist. Diese Bestimmung stellt nur auf die Hin- und Rückfahrt vom und zum Studienort ab. Nicht einzurechnen sind daher Wartezeiten, Fußwege sowie Fahrten im Heimatort oder im Studienort (vgl. zB Hofstätter/Reichel, § 34 EStG 1988, Einzelfälle, auswärtige Berufsausbildung (Kinder)). Nach einhelliger Lehre und ständiger Spruchpraxis des UFS ist die Fahrzeit zwischen jenen Punkten der jeweiligen Gemeinden heranzuziehen, an denen die Fahrt mit dem jeweiligen öffentlichen Verkehrsmittel üblicherweise angetreten bzw. beendet wird (s. dazu insbes. die bei Wanke, UFSjournal 2008, 38, angeführten Nachweise); die Erreichbarkeit des Bahnhofs in der jeweiligen Gemeinde ist bedeutungslos. Die Berücksichtigung von Wegstrecken innerhalb des Wohnortes kann dem § 2 der zu § 34 Abs. 8 EStG 1988 erlassenen Verordnung in der hier maßgeblichen Fassung nicht entnommen werden. Ebenso wenig sind Wartezeiten vor Beginn und nach Ende des Unterrichts zu berücksichtigen (siehe zB Jakom/Baldauf EStG, 2011, § 34 Rz 79, mwN; sowie VwGH vom 27. August 2008, 2006/15/0114).

Auf Grund der dargestellten Rechtslage können daher allenfalls innerhalb des Abfahrts- oder des Ankunftsortes erforderliche Fahrten , aber auch - wie in der Berufung erwähnt - "einkalkulierte Zeitreserven" bei Ermittlung der zumutbaren Fahrzeit nicht eingerechnet werden.

In der Berufung wird überdies gerügt, dass die Verordnung BGBl. Nr. 605/1993 zum Einen in ihrem § 6 zwar die tägliche Hin- und Rückfahrt zwischen Graz und dem Studienort Leoben als noch zumutbar erachtet, zum Anderen jedoch (für den umgekehrten Fall) die Stadtgemeinde Leoben in der in § 2 geregelten Aufzählung jener Gemeinden fehlt, von denen aus die Hin- und Rückfahrt zum und vom Studienort Graz zeitlich noch zumutbar ist. Der Bw. ist nun zwar zuzugestehen, dass dieser Umstand eine gewisse Inkonsequenz der Verordnung in sich birgt. Im Ergebnis vermag ihr dies aber dennoch nicht zum Erfolg zu verhelfen. Denn wenn eine Gemeinde in der genannten Verordnung nicht angeführt ist, dann kommt der bereits oa. § 2 Abs. 1 der BMF-Verordnung BGBl. Nr. 624/1995 zum Tragen: Demnach gelten Ausbildungsstätten innerhalb von 80 km nur dann als nicht innerhalb des Einzugsbereiches des Wohnortes gelegen, wenn die (einfache) Fahrzeit zwischen Wohn- und Ausbildungsort unter Benützung des günstigsten öffentlichen Verkehrsmittels mehr als eine Stunde beträgt (zB Jakom/Baldauf EStG, 2011, § 34 Rz 78). Das (bloße) Fehlen einer Gemeinde in einer der Aufzählungen der Verordnung BGBl. Nr. 605/1993 (über die Erreichbarkeit von Studienorten) impliziert noch nicht zwingend, dass die tägliche Hin- und Rückfahrt von dieser Gemeinde zum jeweiligen Studienort zeitlich nicht zumutbar ist. Sofern Orte in der Verordnung nicht enthalten sind, ist auf die Fahrzeit zwischen den Gemeinden abzustellen. Dass die Fahrzeit zwischen den Bahnhöfen in Graz und Leoben in der weitaus überwiegenden Anzahl der Fälle (deutlich) unter einer Stunde liegt, wird selbst von der Bw. nicht in Abrede gestellt.

Die Berufung war daher in diesem Punkte abzuweisen.

Was die Höhe der beantragten Kinderfreibeträge anlangt, so wird vor dem UFS auch vom Finanzamt nicht in Zweifel gezogen, dass diese der Bw. in voller Höhe von jeweils € 220,-- zustehen. Insoweit konnte der Berufung Folge gegeben werden.

Aus den dargestellten Gründen war spruchgemäß zu entscheiden.

Beilage: 1 Berechnungsblatt

Graz, am 27. Mai 2011